Download-Tipp

Jeremias Flöte

Argh! Ein DLC! Verflucht sollst du sein, Bastei!

So, da haben wir den Salat!
Etwas Unglaubliches ist geschehen, etwas Unfassbares, etwas, das einen sofort auf die Barrikaden treiben muss.
Nein, ich spreche nicht vom Euro-Rettungsschirm. Und auch nicht vom verfassungswidrigen Wahlrecht. All das ist Pillepalle gegen das, was im Moment die Gemüter der echten Fans erregt.
Bastei, diese elenden Schweine, diese unglaublichen, schamlosen Betrüger und Scharlatane haben es gewagt, zur aktuellen Jubelfolge der John Sinclair-Hörspielreihe

einen iTunes-exklusiven DLC anzubieten.
Also, wenn Bastei das mit den echten Fans macht, dann ist es nicht mehr weit hin, bis uns der Himmel auf den Kopf fällt.
Okay, am 21. Dezember droht ohnehin der Weltuntergang, aber das, also DAS – das beschleunigt die Apokalypse natürlich enorm.
Konkret geht es darum, dass iTunes-Kunden beim Kauf des Hörspiels Bonus-Material erhalten, das in dieser Form nie auf CD erschien. Eine CD, das wissen wir seit vielen Jahren, fasst lediglich eine bestimmte Menge Hörspiel. Dann ist sie voll. Zusatzinhalte würden also quasi aus der CD tropfen und eine schmierige Pfütze vor der Anlage oder dem CD-Regal hinterlassen. Nicht auszudenken, wenn Kinder oder Katzen von dieser Pfütze schleimiger Daten naschen würden …
Zurück zum eigentlichen Problem. Denn für die Jubelfolge wurde Zusatzinhalt produziert. Und an diesem entzündet sich nun der Zorn des Fans. Denn echte Fans, also wirklich echte Fans, die kaufen nur CDs (am liebsten natürlich Kassetten, aber die gibt es ja nicht mehr. Obwohl, noch lieber vielleicht Tonbänder, Schallplatten oder Schellack. Oder Kinetoscope mit der jeweiligen Folge …).
Echte Fans, das ist ganz klar, die gehen nicht zu iTunes.
Und fühlen sich nun betrogen.
Dabei bekommen sie die komplette Folge auf CD, damit sie schön im Schrank oder Regal verstauben kann. Aber echte Fans, also echte, ganz doll richtige Fans, die wollen ja alles. Auch das, was es gar nicht auf CD gibt.
Und sie haben ja so recht (zur Geräuschuntermalung bitte mit der Faust auf den Tisch schlagen, aber nicht zu dolle, sonst hüpft der Monitor und geht kaputt!). Echten Fans steht es zu, dass extra für sie eine weitere CD gepresst wird.
Glauben sie zumindest.
Denn eigentlich steht den echten Fans genau das Gleiche zu wie jedem anderen Kunden auch – die Wahl, das Hörspiel OHNE DLC auf CD zu kaufen oder MIT DLC bei iTunes.
Okay, man muss es den echten, also den wahren, den strenggläubigen, den sammelnden und sklavisch an Altem festhaltenden Fans nachsehen.
Denn iTunes ist erst seit elf Jahren auf dem Markt, das reicht einfach nicht, um in das Bewusstsein der Fans vorzudringen. Und dass nun diese Beutelschneider, diese Ratten, diese Bestien, diese widerlichen Angeber von Bastei eben dieses Bewusstsein in die Köpfe der echten Fans hämmern, das ist schwer zu ertragen.
Ach, was sage ich da – hämmern. Sie prügeln es rein, sie stoßen sie von der sicheren Klippe in die kalte, harte, nasse, abscheuliche Realität.
In eine Realität, die sie so vehement verleugnen.
Und doch ist es wahr.
Es gibt ein Leben nach der CD und es hat längst begonnen …
Natürlich kann man iTunes oder Downloads ignorieren. Nur muss man dann damit leben, dass einem ein DLC durch die Lappen geht.
Von Bastei zu verlangen, dass sie bitte auch das Bonus-Material pressen, damit die echten, also die richtigen, tollen, spendablen, großartigen Fans ebenfalls in den Genuss kommen und bloß nicht – Gott behüte, die Jungfrau verhindere und Jesus interveniere – zu einem Download (igitt, bäh, pfui Teufel … Nun bitte die Nase über die Toilette hängen und tief einatmen, um das korrekte Ekelempfinden zu erzeugen – aber bitte vor dem Benutzen von scharfem Reiniger, nicht während oder danach, sonst fallen Sie um und können den Artikel nicht zu Ende lesen …) greifen müssen, das ist wohl ein bisschen, also so minimal, zuviel verlangt.

Und somit verabschiede ich mich mit den großen Worten eines noch größeren Mannes: »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!«

Copyright © 2012 by Gunter Arentzen

PS: Paketbomben, Morddrohungen und Lyncheinladungen bitte an die Adresse der Redaktion.
Mit Rattengift oder Zyankali versetzte Pralinen nimmt auch meine Katze entgegen, dieses elende Mistvieh, das meinen Schlappen angefressen hat …

PPS: JA – das ist Satire! Ich liebe meine Katze …!

11 Antworten auf Leitartikel Monat August 2012

  • Paule sagt:

    Ich liebe Ihre Katze ebenfalls ..

  • Raphael Marques sagt:

    Das Problem bei dieser ganzen Aktion war auch, dass der Umstand, dass es bei iTunes Zusatzmaterial zu der CD-Version gibt, erst einige Tage nach Verkaufsstart jener CD-Version bekannt gegeben wurde. Sich darüber aufzuregen, da habe ich volles Verständnis – der Rest ist einfach übertrieben.

  • Michl sagt:

    Klar Herr Arentzen, als Konsument hat man das natürlich hinzunehmen und den Mund zu halten.
    Selten so einen Bullshit gelesen…………

  • Nehmen wir doch einfach mal Folgendes: Jemand hat 74 CDs der Serie gekauft (so etwas nenne ich dann schon Fan), er freut sich auf die Jubiläumsfolge und holt sie sich. Und dann erscheint als Download Bonusmaterial. Soll der sich jetzt die Folge noch mal runterladen bezahlen? Für mich sieht es zumindest so aus ,als da Hardcorefans noch mal gemolken werden sollen.

    Klar weiß ich, dass jeder Betrieb wirtschaftlich rechnen muss, aber ein kleines Dankeschön an die Fans kann ja auch mal die Freundschaft erhalten, oder nicht?

  • Ich muss mich schon darüber wundern, dass auf einer renommierten Webseite hier mit solch einer Gossensprache argumentiert wird. Auch wenn es Satire sein soll…

  • Raphael Marques sagt:

    Gossensprache … scheint mir doch ein bisschen übertrieben. Das müsste schon eine ziemlich gepflegte Gosse sein. Ich finde die Sprache jetzt nicht ausgesprochen verwerflich.

    In der Sache selbst kann ich den Proteststurm – ausgenommen wie erwähnt, dass über die erstmalige Bereitstellung einer längeren Version viel zu spät informiert wurde – auch nicht nachvollziehen. Ich meine, von Filmen auf DVD gibt es beispielsweise auch eine Normalversion, dann werden entweder gleichzeitig oder später noch erweiterte Fassungen nachgeschoben, manchmal sogar nur auf BluRay. Da heißt es dann auch nicht “Von dieser Firma kaufe ich nichts mehr”, denn das ist eine übliche Geschäftspraxis. Warum dann nicht auch bei Hörspielen? Weil Hardcore-Hörspiel-Fans etwas besseres verdient haben?
    Bei eben jener Folge 75 geht es nur um eine einzelne Szene, die zudem noch für das Gesamtverständnis nicht wirklich wichtig ist. Wenn es sich um eine wirklich bedeutungsvolle Szene handeln würde, okay, aber in diesem Fall geht es nur um ein kleines Bonbon, um Kunden zu iTunes zu locken. Und ich denke, selbst wenn solche Aktionen wiederholt werden, wird das nur solche kleinen, im Grunde verzichtbaren Szenen betreffen.

  • Tommy Tohang sagt:

    Also so einen Artikel, wobei der Inhalt schon Grund ist, sich aufzuregen, kenn ich gar nicht von G. Arentzen. Gefällt mir nicht, die Art, wie er geschrieben wurde und welche Wortwahl getroffen wurde. Ist das passend für den Geisterspiegel?

  • River sagt:

    Ich finde es ehrlich gesagt ebenfalls übertrieben und dadurch auch wirr. Von dem Thema habe ich keine Ahnung, es betrifft mich auch nicht, aber gerade deshalb wäre ein wenig mehr Sachlichkeit in meinen Augen durchaus wünschenswert gewesen. Auch ein (von mir aus auch satirischer) Kommentar braucht nicht gleich Vorschlaghammer + Motorsäge zu beinhalten, jedenfalls nicht, wenn sie mit dieser Wortwahl genutzt werden.

  • Wolfgang Trubshaw sagt:

    Was du unter “iTunes” verstehst, ist der store. Den gibt es erst seit 2003. In Deutschland gar erst seit 2004. Mithin acht, nicht elf Jahre – ob John Sinclair Hörspiele zu den ersten dort erhältlichen 2004er-Produkten gehört haben, darf bezweifelt werden …
    Und offensichtlich sind die Hörspiel-Verkaufszahlen in der Form immer noch so grottig im Vergleich zu einem stofflichen Datenträger, dass sich die Macher nur mit derlei Aktionen zu helfen wissen.

  • Alexander Scheiber sagt:

    Auch wenn ich den Grund für die Satiere von Herrn Arentzen nachvollziehen kann, seine Umsetzung zeigt, dass er zwar nett mit Worten spielen kann, aber das er auch auf einem zu hohen Ross sitzt und ein Fingerspitzengefühl hat, für das mir jetzt im Moment nicht mal passende Vergleichsobjekte einfallen. Ich bin mir auch bewusst, dass Herr Arentzen sich sicher unbeeindruckt von Kritik an seinem Schreibstil zeigen wird.
    Und Herr Arentzen sollte Recherchieren lernen, so als investigativer Journalist, wie er meint zu sein. Vielleicht würde er dann auch wissen dass man den Grund für seinen unangebrachten Zynismus nicht umbedingt als DLC bezeichnen sollte.
    Mit freundlichen Grüssen

  • Gunter Arentzen sagt:

    Ein paar kleine Anmerkungen von mir :-)

    1) Ich meinte iTunes – das Programm. Nicht den Store. Und das Programm kam 2001 auf den Markt. Aber schön, wenn der Kollege eines anderen Online-Magazins weiß, was ich unter dem Begriff eigentlich verstehe … ;-)
    2) DLC bedeutet schlicht “Downloadable Content”. Nur weil er meist auf Games angewandt wird, besteht hier keine Exklusivität.
    3) Das ist ja das Schöne an einem Leitartikel – er ist unabhängig von den Regeln anderer Artikel. Er darf polemisch sein, darf provozieren … Hin und wieder ist ein wenig deutliche Satire durchaus angebracht. Daher halte ich den Artikel, so wie ich ihn geschrieben habe, noch immer für gelungen …

    Soviel dazu … :-)

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