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Schwäbische Sagen 57

Schwäbische-Sagen

Die Kirche in Unterkochen
Eine mündliche Überlieferung aus Unterkochen

Für die Kirche in Unterkochen hatte man anfangs einen Platz in dem Ort selbst bestimmt und begann auch hier den Bau. Allein des Morgens fand man immer Holz und Steine, die man am Tage vorher herbeigeschafft hatte, auf einer Anhöhe außerhalb des Ortes, was man als einen Fingerzeig ansah, dass eben dort die Kirche stehen sollte. Deshalb begann man hier den Bau, und er gedieh auch.


Der heilige Kollmann
Eine mündliche Überlieferung aus Böhmenkirchen

Der heilige Kollmann war eines Königs Sohn aus Schottland und wurde während einer Pilgerreise ins Gelobte Land von den Österreichern, die eben mit den Türken Krieg führten, aufgefangen und als verdächtig in Böhmen an einen dürren Baum aufgeknüpft. Alsbald aber fing der Baum wieder an zu grünen und auszuschlagen. In Böhmenkirchen hatte man einen Kinnbacken dieses Heiligen. Da geschah es, dass zwei Grafen mit ihren Pferden sich verirrten und endlich nach Böhmenkirchen auf der Alb kamen. Zum Dank stifteten sie hier in dem sogenannten Kollmannswald die Kollmannskapelle, und dieser Heilige wurde so zugleich Schutzpatron der Pferde. Ihm zu Ehren wurde am Pfingstmontag ein Pferdeumritt gehalten. Dabei war sein Bild aufgestellt, auch wurde Opfergeld bezahlt. Seit einigen Jahren hat man die Kapelle abgebrochen und das Bild nach Böhmenkirchen in die dortige Kirche gebracht­. Es wird zwar noch immer am Pfingstmontag eine Feier in dem Kollmannswald abgehalten; allein der Pferdeumritt unterbleibt seit vielen Jahren.


Die Heidenschmiede
Eine mündliche Überlieferung aus Heidenheim

An der westlichen Seite des Schlosses Hellenstein (Helfenstein) zu Heidenheim befindet sich eine Höhle, die man die Heidenschmiede nennt. Darin fallen vor alters die Heiden geschmiedet haben. Auch sagt man, dass ein Pudel daselbst einen großen Schatz bewache. Andere sagen: Dieser Schatz liege in einem unterirdischen Gang.

In der Christnacht sieht man auf dem Schloss zu Heidenheim noch viele Geister als Lichter schweben.


Der steinerne Brotlaib

Zu einem Fräulein von Lichtenstein, auf Neckarhausen bei Glatt, kam zur Zeit einer Hungersnot einst ein Bettler und bat um ein Stückchen Brot. Das Fräulein wies den Mann fort, indem sie sagte, dass sie selbst nur noch einen einzigen Laib Brot vorrätig habe. Als sie danach dieses Brot anschneiden wollte, war es in Stein verwandelt. Da empfand das Fräulein Reue über ihre Härte gegen den unbekannten Bettler und machte eine Stiftung, wonach jährlich am St. Ulrichstag nach beendetem Gottesdienst an die Armen zu Petra und Neckarhausen Brot und eine bestimmte Summe Geld ausgeteilt werden sollte. Der versteinerte Brotlaib aber wurde in die Rückwand der Kapelle des heiligen Ulrich, links auf der Vorbühne, zur Hälfte hervorstehend eingemauert und ist hier bis auf den heutigen Tag noch zu sehen.


Der Herr von Falkenstein

Ein Ritter aus dem Kinzigtal, Kuno von Stein, wollte unter Gottfried von Bouillon das Heilige Grab erobern helfen und nahm Abschied von seiner Gemahlin mit den Worten: »Wenn ich nach Jahresfrist nicht wieder hier bin, so bin ich tot, und du darfst meiner nicht länger warten.«

Im heftigen Streit vor Jerusalem wurde der Ritter von den Sarazenen gefangen genommen, als Sklave verkauft und musste als solcher am Pflug ziehen und das Feld umackern. So war bereits ein Jahr verstrichen. Wie er nun einst in einer schlaflosen Nacht seines fernen Weibes und seines Abschiedswortes gedachte, trat ein kleines Männlein zu ihm her und versprach, ihn noch vor Anbruch des Tags in seine Heimat zu bringen. Die Bedingung aber war folgende: Wenn der Ritter die ganze Nacht während der Reise wach bleibe, so wollte das Männlein ihn umsonst hinschaffen. Wenn er aber einschlafe, so solle er mit Leib und Seele dem kleinen Männlein verfallen sein. Der Vertrag wurde schriftlich aufgesetzt, und alsbald befand sich der Ritter von Stein auf dem Rücken eines Löwen und flog durch die Lüfte.

Wie er nun sanft gewiegt dahinfuhr, überfiel ihn mit einem Mal eine unwiderstehliche Müdigkeit. Er senkte sein Haupt auf die Mähnen des Löwen und wollte eben einschlummern, als er plötzlich einen Schlag ins Gesicht bekam, dass er auffuhr und aufblickte. Da sah er einen großen weißen Falken über sich in den Lüften schweben. Der Schlaf aber übermannte ihn bald wieder so sehr, dass er abermals sein Haupt senkte und eben einschlafen wollte, als er mit einem weichen Flügel einen zweiten Schlag ins Gesicht erhielt, also, dass er schnell sich aufraffte und wieder den weißen Falken dicht über sich sah. Wie sehr er sich jetzt aber auch an­strengte, um wach zu bleiben, so war er doch nach einiger Zeit schon wieder nahe daran, einzuschlummern, als der weiße Falke ihm einen dritten Schlag versetzte.

Mit Entsetzen erwachte der Ritter von Stein aus seiner Be­täubung und erkannte, welcher Gefahr er nun schon zum dritten Mal entgangen war. Da dämmerte bald der Morgen. Er sah be­reits am Horizont die Zinnen seiner Burg, und bald setzte ihn der Löwe vor den Toren derselben nieder. In dem nämlichen Augen­blicke fiel der Pergamentstreifen, auf welchem er sich dem Teufel ver­schrieben hatte, zerrissen zu seinen Füßen hin, und ein heftiger Sturm brach los und tobte um seine Burg, bis die Sonne aufging. Da sah der Ritter von Stein den weißen Falken auf dem Turm seines Schlosses sitzen und warf seinem Retter seinen Dank zu.

Zum Andenken aber nahm er den Falken in sein Wappen auf und nannte seine Burg und sein Geschlecht danach Falkenstein.

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