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Der Marone – Ein neues Stück Arbeit für Chakra

der-marone-drittes-buchThomas Mayne Reid
Der Marone – Drittes Buch
Sechsundvierzigstes Kapitel

Ein neues Stück Arbeit für Chakra

Als Chakra die Felsenwand erreicht hatte, fand er Jakob Jessuron in großer Aufregung ungeduldig wartend. Der Jude schritt unter den Bäumen auf und nieder, schlug zuweilen mit dem unzertrennlichen Regenschirm auf den Boden und stieß seinen Lieblingsruf »Bei meiner Seele!« verschiedene Male hintereinander mit ganz ungewöhnlicher Heftigkeit aus.

»Was fehlt Ihnen, Herr Jakob?«, fragte der Myalmann besorgt, als er über den Felsenrand kletterte. »Es ist wohl irgendetwas nicht richtig? So denke ich mir nach der Weise, wie Sie das Signal gegeben haben. Ich hörte viermal pfeifen.«

»Es ist etwas nicht ganz richtig, ein großer Teil ist nicht richtig, wahrhaftig, ich sege Euch. Aber, was hat Euch abgehalten, Chakra, zu kommen?«, sagte der Jude verdrießlich.

»Nun, Herr Jakob, ich schlief, das hielt mich ab, zu kommen.«

»Wie habt Ihr hören können dann viermal das Signal?«

Diese Frage schien Chakra in Verlegenheit zu setzen.

»Viermal das Signal?«, stotterte er und fügte nach einem kurzen Innehalten hinzu: »Ja, sehen Sie, das erste Mal hörte ich es im Schlaf, dann beim zweiten Mal wachte ich auf, beim dritten erhob ich mich und beim vierten …«

Hier unterbrach ihn der Jude rasch, entweder durch seine Erklärung bereits zufrieden gestellt oder zu sehr in Eile, um ihn zu Ende zu hören.

»Es ist keine Zeit zum Schwätzen, wenn Willkommenberg in Flammen steht. Ihr wisst das doch, meine ich?«

Chakra zögerte mit der Antwort, so, als gehe er mit sich selbst zu Rate, ob er die Frage bejahen oder verneinen solle.

»Ganz gewiss, Ihr wisst es. Was brauche ich noch zu fragen? Wer hat das getan? Adahm ist da gewesen. Hat er das getan?«

»Der alte Mann wird dabei wohl eine Hand im Spiel haben, so glaube ich.«

»O, das wisst Ihr ganz gut, Chakra, und ich weiß auch noch einen anderen, der hat eine Hand dabei im Spiel. Aber, das ist gar nicht das Geschäft, weshalb ich hier angekommen bin, das ist schlimmer, viel schlimmer!«

»Was denn, Herr Jakob?«, forschte der Myalmann mit erkünstelter Verwunderung. »Was ist es denn? Ist der junge Mann noch immer nicht nach Hause gekommen?«

»Ach, das ist alles nichts, das ist viel schlimmer; da ist Gefahr – große Gefahr!«

»Gefahr! Von wem, Herr Jakob?«

»Zuerst sagt mir, wo ist Adam jetzt? Ich habe ihn und alle seine Leute nötig.«

»Er ist in die Berge zurückgegangen.«

»Ach, zurückgegangen, sagt Ihr? Wie lange ist er fort? Könnt Ihr ihn einholen, Chakra?«

»Möglich wäre es schon, denn schnell werden sie wohl nicht gehen, dazu haben sie zu viel zu schleppen. Aber wozu haben Sie denn den alten Adam nötig, Herr Jakob?«

»O, eine Angelegenheit von größter Wichtigkeit. Leben und Tod hängen daran. Der blaue Fritz ist zu Willkommenberg gewesen und hat Neuigkeiten gehört, o, schreckliche Neuigkeiten. Ein Bote, der ist gekommen von der Landstraße von Savanna, hat gebracht sehr unangenehme Nachrichten, unter anderem auch dass meine Spanier gefangen worden sind von Cubina und dem undankbaren Schelm Vaughan, dem ich so lange zu essen gegeben habe. Meine Spanier sind angeklagt, den Kustos ermordet zu haben! Bei meiner Seele!«

»Was kümmert das Euch, Herr Jakob? Wo liegt da Gefahr?«

»Gefahr! Begreift Ihr das nicht, Chakra! Wenn diese Jäger zur Untersuchung gebracht worden sind, glaubt Ihr, sie werden schweigen? Wahrhaftig, nein! Die werden alles sagen, was sie müssen, und dann bin auch ich angeklagt, werde gefangen genommen und bin ruiniert! O, warum habe ich diesen ungeschickten Bengeln ein so wichtiges Geschäft anvertraut?«

»Ja, dumme Bengel sind sie, Herr Jakob, da haben Sie ganz recht.«

»Ach, es ist jetzt zu spät, auf sie zu schimpfen. Es ist nötig, Maßregeln zu ergreifen, um solch ein schreckliches Unglück zu verhüten! Ihr müsst Adam nachgehen und ihn sogleich aufsuchen, jetzt sogleich, Chakra!«

»Mir schon recht, Herr Jakob. Ich tue alles, was Sie wollen, haben Sie keine Angst. Ich will Adam auch sogleich nachgehen, aber was soll ich dem alten Neger sagen, wenn ich ihn gefunden habe?«

»Ihr braucht zu ihm nichts zu sagen. Bringt ihn her mit Euch zu dem Jumbéfelsen. Ich will da warten, bis Ihr kommt. Aber lasst mich nicht so lange warten, guter Chakra; eilt, so schnell Ihr könnt. Wenn Ihr nicht vor Sonnenaufgang zurückkommt, so ist alles verloren, dann bin ich ein ruinierter Mann, wahrhaftig!«

»Nur keine Angst, Herr Jakob. Ich will keine Zeit verlieren. Ich glaube gar nicht, dass die Neger jetzt sehr weit gegangen sind und will sie schon einholen. Ich gehe jetzt auf der Stelle. Humm!«

Mit diesem Ausruf drehte Chakra sich um und wollte in die Richtung zum Jumbéfelsen fortgehen, an dem er vorbei musste, um zu dem Schlupfwinkel der schwarzen Räuber zu gelangen.«

»Halt!«, schrie der Jude, »ich gehe mit Euch bis zum Jumbéfelsen. Ich kann da ebenso gut warten wie irgendwo anders. Es nützt jetzt nichts, nach Hause zu gehen. Wahrhaftig, ich kann nicht schlafen, bis diese Sache in Ordnung ist. Und nun, da ich recht daran denke, so lasst Adam wissen, wozu ich ihn nötig habe, damit er vorbereitet und gerüstet kommt. Sagt ihm nur, dass er geraden Weges nach Willkommenberg kommt. Da ist es, wo ich ihn nötig habe. Er soll versuchen, die Leiche vom Kustos aufzufinden. Da wird er die beiden Spanier finden. Die soll er versuchen, zu befreien und zu mir bringen. Ihr, Chakra, müsst mit Adam und seinen Männern gehen, sonst verderben sie alles. Seine Männer müssen sehr gut bewaffnet sein, denn vielleicht werden sie das nötig haben. Der Bote sagte, da wären auch einige Neger vom Gut Content dabei. Aber das macht nichts, die werden rennen, sobald sie sehen, dass Ihr da seid. Allein da können noch andere sein; die schlagen sich tüchtig. Da sind Cubina und der junge englische Lump und dann vielleicht noch Quaco oder sonst einer von den Maronen. Glaubt Ihr wohl, mit ihnen fertig zu werden, guter Chakra?«

»O, ganz gewiss!«

»Ihr müsst sie plötzlich überfallen.«

»Vielleicht können wir auch einige töten.«

»Soviel wie Ihr wollt. Nur befreit die beiden Spanier.«

»Viel würde es auch nicht schaden, wenn wir sie töten könnten, da sie solche Schafsköpfe gewesen sind, sich gefangen nehmen zu lassen.«

»Nein, nein, guter Chakra! Wir dürfen nicht unsere Freunde töten. Vielleicht haben wir sie wieder nötig. Ihr könnt Adam gute Bezahlung für die Arbeit versprechen, und um die Kosten will ich mich ganz und gar nicht quälen, wenn alles gut ausgeführt wird.«

»Das, Herr Jakob, überlasst mir und Adam. Wir wollen alles aufs Beste besorgen.«

Mit dieser Versicherung stieg Chakra den Berg hinauf, nachdem der Jude ihm schon vorausgegangen war.

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