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Der schwarze Mann

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Marshal Crown – Band 31

Co­chran County Krieg

Langsam ritten die drei Cowboys im Licht des frühen Morgens über den staubigen Overland-Trail, der von Preston City aus auf direktem Weg nach Morton führte, der Hauptstadt des Cochran Countys.

Bill Emerson sah sie zuerst.

Mit ungläubigem Gesicht deutete er auf den flachen Farmwagen, der unweit des ausgefahrenen Karrenweges auf einer grasbewachsenen Ebene stand.

Bei dem Wagen befanden sich zwei Männer. Einer von ihnen stand auf der Ladefläche und warf Holzpfähle zu Boden, der andere trieb etwa zwanzig Yard von ihm entfernt einen davon gerade mit einem schweren Vorschlaghammer in den Boden.

»Was zum Teufel gibt das?«, fragte Bill.

»Ich will ab morgen Schafe hüten, wenn die da nicht einen Zaun bauen«, sagte Phil Sellers.

»Einen Zaun?«, echote Mike Dolano.

»Sind die lebensmüde? Wenn der Boss davon erfährt, zieht er ihnen bei lebendigem Leib die Haut ab.«

»Los! Kommt mit!«, rief Bill und winkte seinen Sattelgefährten auffordernd zu. »Die Burschen kaufen wir uns.«

Die drei Cowboys trieben ihre Pferde an, bis sie nur noch einen Steinwurf von dem Wagen entfernt waren. Dort war der Mann mit den Holzpfählen inzwischen von der Ladefläche gesprungen und blickte den Reitern mit verschränkten Armen entgegen. Sein Begleiter, ein breitschultriger Hüne, kam mit verkniffenem Gesicht auf ihn zu. Dabei hielt er den schweren Vorschlaghammer in einer Art in der Hand, als würde es sich dabei um ein Kinderspielzeug handeln.

Inzwischen waren die Cowboys heran und zügelten ihre Pferde neben dem Wagen.

Bill Emerson beugte sich im Sattel vor und stieß sich den Hut in den Nacken.

»Hallo Leute, darf man fragen, was das hier gibt, wenn es fertig ist?«

»Einen Zaun, das sieht man doch«, sagte der Mann bei den Holzpfählen.

Emersons Augen wurden schmal. »Seid ihr verrückt geworden? Wenn Mister Preston davon erfährt, dass ihr einen Zaun auf seinem Land errichtet, lässt er euch vierteilen.«

»Wird er nicht«, behauptete der Hüne mit dem Hammer. »Das hier ist nämlich nicht sein Land, das endet da drüben am Overland-Trail.« Dabei zeigte er auf die gegenüberliegende Seite der Überlandstraße.

»Ich fürchte, da irrst du dich, Amigo. Diese Weide hat bereits Mister Prestons Vater benutzt.«

»Yeah, aber nur, weil sie bisher niemand anderes beansprucht hat. Aber das hat sich seit ein paar Jahren geändert. Diese Weide ist Regierungsland und durch das Heimstättengesetz kann hier jeder eine 160 acres große Parzelle für sich abstecken, die, wenn er die Anmeldungsgebühr bezahlt und sie fünf Jahre lang bewirtschaftet, zu seinem Eigentum wird. Und genau das mache ich gerade.«

»Dein Eigentum?«, lachte Phil Sellers. »Ha, der war gut. Wer hat dir denn diesen Witz erzählt?«

»Ulysses Simpson Grant«, erwiderte der Hüne trocken.

Sellers zuckte beim Namen des US-Präsidenten zusammen, als wäre er auf eine Klapperschlange getreten.

»Alter, willst du mich verarschen?«

»Mitnichten«, sagte der Hüne ruhig. »Das ist alles durch den Homestead Act von 62 geregelt, kann man in jeder Gemeinde beim Richter nachlesen.«

Mike Dolano, der Cowboy mit den italienischen Wurzeln, richtete seinen Blick auf den anderen Mann. »Sag mal, dich kenne ich doch. Du bist doch George Palmer, hast du nicht eine Farm unten am Carizzo Creek?«

Der Mann nickte.

»Dann weißt du doch, wie hier der Hase läuft. Warum riskierst du dann deinen Hals für diesen Verrückten?«

»Er ist mein Schwager«, sagte Palmer leise.

»Genug!«, donnerte Emerson. »Ihr packt jetzt euren Krempel zusammen und verschwindet oder …«

»Oder was, Söhnchen?«, fragte der Hüne, der nicht nur doppelt so alt, sondern auch fast doppelt so groß wie Bill Emerson war.

»Ihr lernt uns kennen, ihr verdammten Schollenbrecher.«

»Wollt ihr uns etwa drohen?«, fragte der Hüne. Er hatte inzwischen den Hammer erhoben und kam langsam auf den Cowboy zu.

»Mach keinen Scheiß, Alter!«, sagte Emerson schrill. »Leg sofort den Hammer weg oder ich schieße.«

»Einen Dreck werde ich tun«, knurrte Palmers Schwager. »Ihr Kuhtreiber meint wohl, ihr könnt euch alles erlauben? Aber die Zeiten haben sich geändert, inzwischen gelten auch im Cochran County Recht und Gesetz. Du kannst deinem Boss ausrichten, dass hier in absehbarer Zeit noch mehr Farmen entstehen werden, ob ihm das passt oder nicht.«

»Willst du Schweinebauer Mister Preston etwa drohen?«

»Pass auf, was du sagst, Cowboy, so langsam habe ich genug von deinen Beleidigungen.« Ein zynisches Grinsen legte sich um die Mundwinkel des Reiters. »Sag mal, stimmt es eigentlich, was man über euch Farmer so hört?«

Der Hüne stutzte und ließ den Hammer sinken. »Was soll man denn über uns hören? Ich weiß nicht, was du meinst.«

»Dass eure Frauen so hässlich sind«, erwiderte Emerson und fing an gemein zu lachen. »dass ihr lieber einmal in der Woche in den Stall geht, um eines eurer Tiere ranzunehmen.« Dabei ahmte er das Gackern eines Huhns nach, während er mit dem Unterleib mehrere eindeutige Bewegungen machte.

Die anderen Reiter brüllten vor Lachen.

Palmers Schwager wurde zuerst weiß im Gesicht, dann rot, dann hob er seinen Hammer und schlug zu.

Bill Emerson warf sich blitzschnell im Sattel zurück und entging dem Hieb nur um Haaresbreite. Der Luftzug des heranrasenden Hammers streifte seinen Brustkorb. Der Cowboy fiel vom Pferd und krachte hart zu Boden. Der Hüne kam mit einem mächtigen Satz um Bills Pferd herum und stapfte mit hochrotem Gesicht auf den Cowboy zu, den Hammer zum Schlag erhoben.

Emerson riss seinen Colt aus dem Halfter und schoss ihm in die Schulter.

Der große Mann torkelte, lief aber trotzdem weiter auf ihn zu.

Emerson brüllte und schoss erneut.

Die Kugel traf den Hünen in die Brust, die nächste dann in den Bauch.

 


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Ein Kommentar zu Marshal Crown – Band 31

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