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Schwäbische Sagen 53

Schwäbische-Sagen

Sagen vom Michelsberg im Zadergäu

1.

Ein Ast des Strombergs im Zabergäu endet mit dem weithin sichtbaren, steilen Michelsberg. Er ist 1200 Fuß hoch und ge­währt eine weite, herrliche Aussicht. In der Nähe liegen die Ruinen Blankenhorn und Magenheim, von denen verschiedene Sagen umgehen.

Schon zur Römerzeit soll auf dem Michelsberg ein der Luna geweihter Tempel gestanden haben, der später von Bonifatius in eine christliche Kirche umgewandelt und dem Erzengel Michael geweiht worden sein. Der heilige Bonifatius bestand hier mithilfe des Erz­engels einen Kampf mit dem Teufel. Michael siegte zwar, doch entridd der Böse ihm eine Flügelfeder, zu der man alsdann zahlreich wallfahrte.

2.

Der Michelsberg hieß ehedem Gudinsberg oder nach anderen Wudinsberg. Der Bischof Theoderich wollte auf diesem altheiligen Platz eine Festung, ein Kastell anlegen, was jedoch nach dem allgemeinen Volksglauben nicht erlaubt war. Da es dennoch geschah, so flog der Erzengel mit ausgebreiteten Flügeln hinweg von dem Ort. Auch sah man, wie das Kästchen mit den Reliquien über den Stromberg hin durch die Luft fortgeführt wurde. Das Kastell aber fiel zusammen, noch ehe die Mauern fertig waren.

3.

Am Fuß des Michelsbergs liegt das Dörfchen Neukleebronn und daneben drei oder vier Höfe, die vom Volk Tripstrill ge­nannt, gewöhnlich aber Treffenstrill geschrieben werden. In alten Zeiten soll hier eine große Stadt gelegen haben. Sehr allgemein gebraucht man noch den Namen Tripstrill im Scherz, um einen vorwitzigen, zwecklosen Frager abzuweisen. Will ein solcher zum Beispiel wissen, wo man eine Sache gekauft, gehört, gesehen usw. und man nicht Lust hat, es zu gestehen, so sagt man: Zu Tripstrill, in der Pelzmühl, wo man die alten Weiber mühlt (mahlt).

Die Erinnerung an die Pelzmühle, in der die alten Weiber einen neuen Pelz, eine frische Haut bekommen können, hat sich wenigstens in dem dortigen Pelz- oder Balzhof noch erhalten. Auch entspringen zu Tripstrill auf einer Wiese so reiche Quellen, dass sie wohl eine Mühle treiben könnten, indem sie einen kleinen See bilden, jetzt aber nur zum Bleichen der Leinwand, nicht mehr zur Verjüngung der alten Weiber benutzt werden.

In dem nahen Tal liegt das Dorf Frauenzimmern, das eins der ältesten Nonnenklöster, Mariatal«, gehabt hat.


Die heilige Notburga

1.

Oberhalb des sehr alten Dorfes Hochhausen (vom Volk »Wochhausen« ausgesprochen) befindet sich an dem steilen Neckar­ufer die Notburgahöhle, die das Volk aber bloß die »Jungfernhöhle« nennt. Sie ist klein, kaum für einen Menschen groß genug und nur vom Neckar aus sichtbar. Der Neckar, der gerade hier eine starke Krümmung macht, spült die Höhle immer mehr weg; denn früher soll sie weit größer gewesen sein.

Ruft man vom Ufer den Namen Notburga gegen die Höhle hin, so wiederholt das Echo sehr täuschend, aber leise und wehmütig den Namen.

Das Volk erzählt die Geschichte dieser Jungfrau so: Sie war eine Königstochter, wurde von einer bösen Stiefmutter gequält und verfolgt, und flüchtete sich in diese Höhle, in der sie sich versteckt hielt, bis ihr Vater sie eines Tages fand. Als sie nicht gutwillig ihm folgen wollte, versuchte er, sie mit Gewalt fortzuziehen. Allein da blieb ihm der abgelöste Arm seiner Tochter in der Hand. Indes brachte eine Schlange ein Kraut, durch welches der Arm wieder anheilte. Nach ihrem Tod wurde sie in der Kirche zu Hochhausen begraben.

Beim Eintritt in die Kirche sieht man links ihr Grab­mal. Sie liegt auf einem erhöhten Stein, innerhalb eines Draht­gitters, mit einer Krone geschmückt. Es fehlt ihr der linke Arm; in der Rechten aber hält sie eine Schlange, die das heilende Kraut im Mund trägt. Das Steinbild scheint sehr alt zu sein.

Den Hochaltar schmückten früher alte Ölbilder mit Szenen aus dem Leben der heiligen Notburga. Sie erscheint hier stets in einem roten Gewand. Durch ungeschickte Restauration ist leider das Meiste und Beste dieser Bilder zerstört worden.

2.

Ein Ritter auf der Burg Hornberg am Neckar war nach Wien zu einem Turnier gezogen. Seine Frau, die gegen ihre Stieftochter hart und böse war, quälte sie dergestalt, dass sie entfloh. Eine Hirschkuh, die sie aufgezogen hatte, begleitete sie und holte ihr in einem Korb Nahrung aus dem Schloss und in einer Kürbisflasche Wasser aus einer nahen Quelle. Diese Quelle, welche nach der Jungfrau »Mechtilden-Quelle« genannt wurde, nimmt nie ab, ist im Sommer kühl und friert im Winter nicht zu. So lebte sie sieben Jahre lang. Die Stiefmutter starb. Eines Tages, als der Hirsch jämmerlich schrie, fand der Ritter, durch das Tier geführt, auch die Höhle und Leiche seiner Tochter. Über dem Begräbnisplatz baute er eine Kapelle.


Der Michelsberg bei Gundelsheim

1.

Von Gundelsheim am Neckar führt durch ein enges tiefes Tal ein Weg zu der Wallfahrtskapelle des heiligen Michael, der hier ebenfalls wie auf dem Stromberg mit dem Teufel gestritten haben soll. Im Eingang der Kapelle steht in einer Mauernische ein altrömischer Opferaltar mit Inschriften und Abbildungen. Nach einer Sage soll die heilige Notburga hier begraben sein, während sonst ihr Grabmal in dem benachbarten Hochhausen zu sehen ist.

Diesem Michelsberg gegenüber, auf der anderen Seite des Neckars, liegt die Burg Gutenberg, früher »Gudenberg« geschrieben.

2.

Ein Heidenjüngling ward einer Christin verlobt. Die Jungfrau aber verließ Vater und Mutter und floh, um dieser Ehe zu entgehen, in einen Wald, wo wilde Tiere sie nährten. Ihr ganzes Wald­leben, bis kurz vor ihrem Tod, grub sie in Steine und Bäume ein.

Einst verfolgte ihr Verlobter ein Wild, und das führte ihn zum Grab seiner Braut. Als er nun an den Bäumen und Steinen ringsum ihr Schicksal las, ward er gerührt und ließ sich taufen, lebte dann einsam auf dem Michelsberg und baute sich daselbst eine Hütte, zu welcher Kranke wallfahrten und dann genasen. Der Berg mit seiner reizenden Aussicht heißt daher noch jetzt das »Himmelreich« und der Sitz des Einsiedlers »Gotteshöhe«. Über seinem Grab erbaute man später die Michelskapelle.

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