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Jacob von Molay, der letzte Templer 20

Franz Theodor Wangenheim
Jacob von Molay, der letzte Templer
Zweiter Teil
Herr und Knecht
Verlag von Joh. Fr. Hammerich, Altona, 1838

Siebentes Kapitel

Die Boten, welche der Großmeister von Ninove sandte, jagten einer den anderen, denn in Nemosia sollte der Legat des Papstes seinen Einzug halten. Es musste nichts Geringes sein, was den Großmeister vermochte, die ungeheuren Geldkosten nicht zu scheuen und den Kardinal von Ostia nicht allein mit königlichen Ehren am Landungsplatz, sondern auch in seiner Residenz zu überhäufen. Alles wurde aufgeboten, sogar bis zu den Brüdern Handwerkern hinunter. Der Drapier musste allen und jedem neue Kleider austeilen, und gleich wie an einem hohen Festtag wurden die Speisen schmackhafter und köstlicher als sonst gewählt. Außer den gewöhnlichen wöchentlichen Almosen, welches dreimal stattfand, sollte es auch in doppeltem Maß ausgeteilt werden. Nichts wurde also vergessen, die Anwesenheit des päpstlichen Legaten nicht allein feierlich und glänzend zu machen, sondern sie sollte auch eine freudige Erscheinung für alle und jedermann werden. Der Tempelherren Reichtum ließ solches zu, und selbst der Regent von Zypern, der Fürst von Tyrus, konnte mit seinem Hofstaat nicht so glänzend erscheinen wie Jacob von Molay mit seinen Rittern. Auch dieser Fürst war auf die erste Nachricht von des Kardinals Landung ihm entgegengeeilt, traf jedoch erst mit ihm zusammen, als der Kardinal inmitten seines Gefolges, von den Tempelrittern umgeben, sich auf dem Weg nach Nemosia befand. Da die Tempelherren bei ihren Zügen jedes Mal selbst vor den Rittern vom Hospital den Vorrang hatten, indem das wahre Kreuz sich in ihren Händen befand, so verstand es sich von selbst, dass der Fürst von Tyrus mit seinem Gefolge, da sie nur weltliche Ritter waren, mit einem Stolz behandelt wurden, der Fürsten- und Ritterehre beleidigte. Doch ertrug dieser Prinz von Geblüt die Behandlung mit einer Geduld, welche unbegreiflich war, denn die Tempelherren waren so mächtig auf Zypern, das Vernehmen zwischen ihnen und dem königlichen Hof von lange her so schlimm gewesen, dass es leicht hätte geschehen können, den päpstlichen Legaten von dem Regenten zurückzuhalten. Wenn auch Jacob von Molay erst kürzlich noch im Verein mit diesem Fürsten den gemeinsamen Feind bekriegt hatte, so konnte Amaury, der für den minderjährigen Hugo IV. das Regiment führte, nicht vergessen, wie Molays Vorgänger und dieser selbst zu öfteren Malen schon das königliche Ansehen angetastet hatten. Jetzt, da der Hauptsitz der Tempelherren auf Zyperu war, jetzt musste Amaury, obwohl beschränkten Verstandes, alles um das königliche Ansehen auf dieser Insel fürchten, und nichts schien ihm geeigneter, sein Ansehen zu schützen, wenn er sich der Freundschaft des Superiors der Tempelherren versicherte: Der war der Papst. Jede Ehrenbezeugung gegen dessen Legaten galt ihm selbst, und eben deshalb fand es Amaury dem königlichen Ansehen nicht zuwider, mit den Tempelherren daherzuziehen und nicht den Vorrang zu haben.

Welcher Jubel in Nemosia, wie geschmückt jedes Kind, als der Wagen den heiligen Herrn in die Stadt führte! Tiefen Ernstes, doch prächtig wie sie ausgezogen und in derselben Ordnung, geleiteten die Tempelherren den Wagen mit der bedeutungsvollen Bürde. Am Tor des Hauses, unter Anführung des Wildgrafen, waren die daheim gelassenen Ritter zu Fuß aufgestellt. Den Hintergrund des Hofes füllten dienende Brüder und Brüder Handwerker. Als der Zug bis an das Tor gelangt war, da erst hielt der Großmeister sein Ross an, mit ihm seine nächsten zehn Ritter, und bewillkommte nun erst den daherziehenden Fürsten Amaury. Wie seines Gleichen redete ihn Jacob von Molay an. Der Fürst dankte, und an des Großmeisters Seite ritt er in den Hof. Eben läutete man zur None, denn früh am Morgen war man von Ninove aufgebrochen. Darum verfügten sich diese verschiedenen fürstlichen Männer in die Kapelle. Der Kardinal selbst wollte die Messe lesen. Zu seiner Rechten vor dem Altar stand der Fürst einer kriegerischen Geistlichkeit, zu seiner Linken ein weltlicher Fürst, und er selbst zwischen beiden ein Fürst der Kirche. Es war ein Ehrfurcht einflößender Anblick, die edlen Ritter in stiller Andacht sich aneinanderreihen zu sehen, und durch die offene Tür des Gotteshauses noch die unzähligen Gesichter der Gläubigen, welche dieses nicht alle fassen konnte. Doch war wohl in manches Mannes Herzen ein anderes Gefühl aufgestiegen als die inbrünstige Andacht oder die gottergebene Demut.

Des Meisters Züge blieben sanft und ernst. Amaury aber schien Demut zu heucheln. Der Dauphin von Auvergne konnte den Blick nicht von dem Wildgrafen wenden, denn der hatte ihn scharf prüfend angesehen, als er ihm im Tor begegnete. Boulogne sah starr vor sich nieder, wie einer, der tief nachdenkt, und den die Umgebung selbst nicht in seinem tiefen Denken stören kann. Gegen diese alle stach jedoch Montroyal auffallend ab, denn dieser überschaute mit der ganzen Zufriedenheit eines erfahrenen Kriegsmannes die Versammlung. Sein Herz freute sich an den rüstigen Gestalten.

Die heilige Handlung war zu Ende. Der Kardinal, der Großmeister und der Fürst verließen das Gotteshaus. Niemand aber schloss sich ihnen an. Nur der Seneschall ging weit ab zur Seite neben ihnen, um den hohen Gästen zur Hand zu sein. Schon mehrere Minuten waren verstrichen, seitdem der Großmeister mit den beiden seinen Palast betreten hatte, da erschien der Seneschall wieder, berief die Superioren des Ordens zu dem Großmeister und bedeutete die Kämmerer des Fürsten, wie derselbe ihrer begehre.

Dieses Mal war der Geheime Rat des Großmeisters weit zahlreicher als das erste Mal, denn man hatte wegen des eigenen Falles auch von den ältesten Brüdern mit in den Rat ziehen müssen, obwohl diese keine hohe Würden bekleideten. Es fragte sich hier nämlich um nichts Geringeres, als ob es ratsam wäre, des Papstes Sendschreiben vor dem versammelten Kapitel zu offenbaren oder den Inhalt desselben als Geheimnis des Geheimen Rates zu betrachten. Der Inhalt des päpstlichen Sendschreibens war so ganz eigener Art, dass die verschiedenartigsten Empfindungen davon erweckt wurden. Boulogne zwar und Pruino, der Dauphin und Peyraud, sie schwiegen. Hingegen konnten der Wildgraf Hugo und Montroyal ihr Befremden, ja ihre Entrüstung nicht verbergen.

»Da haben wir es!«, rief der Erstere. »Uns will man von Zypern losreißen, damit der auf unseren Ruhm eifersüchtige Villaret freieren Spielraum habe …!«

»Ja, bei Gott und unserer lieben Frau!«, fiel Montroyal dem Deutschen bei. »Fein, sehr fein angelegt der Plan, uns die Gelegenheit zu nehmen, den Ruhm, den wir so lange bewahrt haben, auch ferner zu erhalten. Aus Rittern will man Federfuchser machen, und statt dem halben Mond zu begegnen, sollen wir päpstliche Runtien vor uns sehen; oder auch wohl gar mit unbärtigen Knaben verkehren, die für eine Schmeichelei den Ritterschlag empfangen, für die glatten Worte bei einem Hoffest irgendeinem schönen Weibsbild gesagt. Ist es nicht schon genug, dass die ganze Christenheit wie im Schlaf liegt, und uns nun auch das letzte Stückchen von dem heiligen Boden entrissen worden, von der heiligen Erde, die so viele unserer Brüder mit ihrem Blut getränkt haben? Es soll uns auch nicht einmal die Hoffnung bleiben, den hündischen Sarazenen wieder anfallen zu dürfen! Den Großmeister will Sr. Heiligkeit, um mit ihm zu überlegen – warum denn ihn just, da doch Boulogne zehnmal eher mit geistlichen Herren kramen kann …?

»Still, still, Montroyal«, unterbrach ihn endlich der Meister. »Gehorsam gegen unseren Superior, den Einzigen in der Welt, ist unsere Pflicht, so gut wie jeder von uns das Gelübde des Gehorsams unverbrüchlich halten muss. Doch das nebenbei. Seine Heiligkeit hat auch Villaret zu sich nach Avignon berufen. Vermutlich auch den Großmeister der deutschen Herren. Wer weiß, Clemenz V. wird sein Pontifikat auf gottgefällige Weise antreten wollen. Und wir, die Vorsteher der kriegerischen Orden, unser Gutachten über einen neuen Krenzzug abgeben. Das scheint mir des Papstes Absicht, das sein Zweck, und der ist wahrlich bedeutungsvoll für die ganze Christenheit.«

»Vergönnt mir das Wort, lieber Herr«, trat der Deutsche wieder hervor. Nachdem der Meister ihm bejahend zugewinkt hatte, erhob der Wildgraf die freie Rede. »Verbrechen wäre es hier, zu schweigen, von dem zu schweigen, was mir noch wie im Nebel vor den Sinnen schwebt. Einen neuen Kreuzzug sagt Ihr? Wer könnte wohl noch auf ein Christenheer rechnen, da die Führer von allen Heeren stets durch Uneinigkeit unter sich das Verderben heraufbeschworen haben? Soll ich Euch an das Treffen bei Masture erinnern, in welchem der Graf von Artois, des heiligen Ludwigs Bruder, unter den Streichen der Sarazenen fiel, weil er dem Befehl des Tempelherrenmeisters, der dort den Vortrab führte, nicht Folge leisten wollte? Auch der Meister fiel nach ihm, nachdem seine tapferen Taten ihn der Unsterblichkeit wert gemacht hatten. Das ist noch nichts gegen die großen Verluste, welche stets das Kreuzheer wegen der Uneinigkeit der Führer trafen. Man muss erröten, dass so vielen tapferen Herren auch darum Demütigungen zuteilgeworden sind. Und Seine Heiligkeit, meint Ihr, wollte aufs Neue das Kreuz predigen? Ich bitte Euch, Herr, verseht Euch dessen nicht von einem früheren Erzbischof von Bordeaux, der dem französischen König den Apostolischen Stuhl zu danken hat. O, ich sehe es kommen, dass dieser König Clemenz den Fünften, welchen er selbst erhoben hat, noch weniger schonen wird als Bonifaz den Achten! Unerhört in der Christenheit, beleidigte sein Helfershelfer, Nogaret, den Papst persönlich in Anagni. Und Scianna Colonna schlug den Heiligen Vater mit der Faust ins Gesicht! Bedenkt nun, lieber Herr und Meister, die Colonnische Partei siegte in Perugia; und zu ihr gehört der Legat des neuen Papstes, gehört der Kardinal von Ostia!«

Tiefe, finstere Falten lagerten sich auf des Meisters Stirn. Peyraud bemerkte es und wandte das Wort an den Wildgrafen: »Hätte ich doch nicht geglaubt, lieber Herr, dass Euer zufälliges Erscheinen hier auf Zypern so mächtig eingriffe in die Beratschlagungen der Ordenshäupter! Dass man Euch in Perugia und Lyon nicht mit den Ehren überhäufte, welche dem von Gottes Gnaden erwählten Meister zukommen. Dass Euer deutscher Stolz dort nicht gesättigt worden war …«

»Was!«, fuhr der Wildgraf auf, und höher und höher flammte sein Auge. »Hat sich denn der Welt Ordnung verkehrt, dass Beleidigungen im Geheimen Rat des Großmeisters der Tempelherren heimisch sind?«

»Still! Ich gebiete Euch«, erhob sich der Großmeister. »Bei dem Gehorsam, den Ihr gelobtet, nicht ein Wort ferner! Boulogne, sagt Eure Meinung, lieber Herr, was denkt Ihr davon?«

»Ich meine, dass es eines Legaten nicht bedurft hätte, wenn der Heilige Vater uns nur zu sich berufen wollte. Warum sandte er ihn nicht auch an Villaret?«

»Bedenkt, lieber Herr«, warf der Meister ein, »dass die Ritter vom Tempel die Wichtigsten sind in der Christenheit, und nicht ein anderer Orden vorhanden ist, der sich einer solchen Würde zu rühmen hätte wie der unsrige. Wohl ziemte es dem Heiligen Vater, die Achtung gegen seine beste Stütze, auf die er trotzen könnte gegen eine Welt, so hoch zu achten.«

»Ich nehme das Wort aus Eurem Mund, lieber Herr und Meister«, beharrte der Deutsche wieder. »In Eurem Geheimen Rat darf man davon sprechen, was des Ordens tiefstes, undurchdringlichstes Geheimnis ist. Auf uns gestützt, sagt Ihr, könne Seine Heiligkeit einer Welt trotzen – ganz recht! Und jeder Tempelherr darf stolz sein auf die Kraft des Ordens. Doch möge Eure Weisheit sich nicht von dem Stolz allein verleiten lassen. Zwanzigtausend in den Waffen wohlgeübte Mannen, und das Vermögen, ein ebenso großes Hilfsheer hinstellen zu können; das dürfte einen um seine Herrschaft eifersüchtigen König, wie Philipp von Frankreich, wohl eine schlaflose Nacht kosten.«

»Bei Gott und unserer lieben Frau«, zürnte Jacob von Molay, »Eure leichtfertige Rede bringt ans Licht, was ich kaum zu denken wage …«

»O, denkt, lieber Herr und Meister, denkt reiflich darüber nach; ersinnt Ausflüchte; jetzt werden sie Euch nicht schwer. Denn wenn Ihr wachsam liegt zwischen der Christenheit und den Heidenvölkern, so tut Ihr als Meister Eure Schuldigkeit. Wolltet Ihr ja doch den Generalvisitator nach Frankreich schicken. Gebt ihm der edlen Herren noch eine gute Zahl an die Seite, so wird Seine Heiligkeit sich keineswegs über Nichtachtung zu beklagen haben«

»Dem Großkomtur von Deutschland muss ich beistimmen«, waren des Dauphins erste Worte. »Das eifersüchtige Streben der Ritter vom Hospital würde freieren Spielraum haben, wenn unser Herr und Meister Zypern verließe. Der Fürst von Tyrus, der Regent, wie er auch freundschaftlich mit uns eingezogen und wir ihn gastfrei aufgenommen haben, er wird der Gelegenheit froh sein, des Ordens Haupt nicht im Hauptsitz des Ordens zu wissen.«

Der Wildgraf suchte des Dauphins Blick; doch wollte ihm das nicht gelingen, denn der Großprior von Normandie hatte einen anderen Grund, die Reise nach Frankreich zu widerraten, und wusste, dass Jacob von Molay nicht ohne ihn sie unternehmen würde. Aber auch der Schatzmeister äußerte jetzt seine Meinung.

»Gutes kann sich der Orden keineswegs von Philipp von Frankreich versehen. Wer war am meisten gefährdet, als er den Wert der Münze eigenmächtig heruntersetzte und das Volk sich darum empörte? Wir waren es. Und nun heißt es gar, Tempelherren hätten an dem Aufstand teilgenommen, hätten ihn geleitet. Des Königs Rachsucht kennt jeder – Gott weiß, was er bei dem neuen Papst für Klagen gegen uns anbringen will! Mag er es tun, wenn unsere Kräfte nur nicht zerstückelt sind, wenn wir der Gewalt Gewalt entgegensetzen können.«

»O, dass mein Ohr solches hören muss!«, rief der Großmeister. »Nein, nein, liebe Herren, der König ist mein Freund. Und er, der selbst einmal den Wunsch gehegt hatte, sich enger und persönlich mit dem Orden zu verbinden, ihn werde ich in meinem Geheimen Rat nicht länger verunglimpfen lassen. Das ganze Kapitel soll in dieser Nacht versammelt werden. Dort wird es sich entscheiden, was ich zu tun und zu lassen habe. Begebt Euch jetzt in den Speisesaal, nicht in den Konvent. Genießt der Freuden des Mahls, doch die hohen Gäste schont selbst mit Blicken. Handelt weise, wie es sich in so schwerem Augenblick ziemt. Ihr, Großprior von Normandie, führt den Fürsten von Tyrus zur Tafel. Den Legaten Seiner Heiligkeit hole ich selbst.«

Auf den Wink des Meisters entfernten sie sich alle mit den verschiedenartigsten Empfindungen in den Herzen. Ein königliches Mahl war bereitet worden; und auch hier behielt der Großmeister selbst die äußeren Zeichen seiner Würde bei, welche ihn unumschränkten Herrschern gleichstellte. Der Kardinal selbst sprach das Gebet. Es würzte das Mahl, welches, da die Tempelherren stets dem Morgenland nahe lagen, aus feineren Speisen bestand als das eines Königs von Frankreich. Die Insel selbst gab köstlichen Wein, und herrlich glänzte er wie Gold in reichen Pokalen. Zwar gebot die Regel, den Wein mit Wasser zu vermischen, aber das wurde nicht so streng genommen, da die beiden hohen Gäste diese Regel wohl kannten, ihr aber nicht huldigten. Hier saß man auch nicht im Konvent zu Tisch, darum war es.den Brüdern erlaubt, eines ernsthaften Gespräches miteinander zu pflegen. Der bei Weitem größere Teil von ihnen, im Getreide der Feldlager gereift, mit Schlachten seine Lebenstage bezeichnet, verlor bald den letzten Anstrich von mönchischem Wesen, denn der Wein entkleidete sie dessen. Das schien der Augenblick zu sein, welchen der Kardinal von Ostia erwartet hatte. Er trank auf das Heil des neu erwählten Oberhauptes der Kirche, und silberhell klangen die schäumenden Pokale. Nach ihm erhob sich der Großmeister, sprach kräftige Worte zum Trunk. Sie bezogen sich auf die einzige Hoffnung seines Lebens, auf die Wiedereroberung des Heiligen Grabes. »Wenn erst«, fügte er hinzu, »ein christlicher König wieder in Jerusalem thront, dann möge sich das Bahrtuch über meinen Leichnam breiten.«

»Ein frommer Wunsch«, gab der Kardinal zu, »wert, mit goldenen Lettern auf Sankt Peters Stuhl zu prangen. Nun, wer weiß, ob nicht bald die Aussicht auf Erfüllung desselben sich öffnet?«

»Wie meint Ihr das, Herr Kardinal?«, fragte Jacob von Molay mit dem Feuer eines alten vom Wein erregten Mannes. »Sollte Seine Heiligkeit …?«

»Ich sollte eigentlich nicht davon sprechen«, meinte der Kardinal nach einigem Nachdenken.»Auch kenne ich des Papstes wahre Meinung nicht ganz genau. Doch – es sind ja lauter edle Herren und Ritter um mich her, welche mein offenes Vertrauen nicht mit Schwatzhaftigkeit vergelten. Ich hörte den Heiligen Vater sagen: Ein Christenheer, wie dergleichen sonst gewesen, ist weder aufzustellen noch verspricht es einen guten Erfolg. Doch gibt es drei kriegerische Orden in der Christenheit, wenn die zusammenhielten. Es sollte bald die Heilige Stadt einen Christenkönig einschließen. Es waren nur Worte, die Seine Heiligkeit gesprochen hatte. Doch, bei allen Heiligen! Die Worte waren gut gedacht und gut gesetzt. Mag es denn kommen, wie es wolle, so habe ich doch einen weisen Plan darin erkannt, und wünsche nur, dass die hochberühmten und mächtigen Orden Hand in Hand mit Seiner Heiligkeit gehen mögen.«

Aber der Kardinal hatte sich verrechnet. Es war still geworden, es blieb still. Um sich der Verlegenheit zu entreißen, sprach er das Gebet zum Schluss des Mahls.

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