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Sammlung bergmännischer Sagen Teil 7

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.


II. Abteilung: Sagen vom Berggeist

6.

Unter dem Schloss Altenstein liegt Glücksbrunn, ein vormaliger Hüttenort. Lebhafter Bergbau wurde vormals von den hier und in Steinbach zahlreich wohnenden Bergleuten betrieben, nun wird nur noch wenig Ausbeute gewonnen.

In den Schächten und Stollen gab es auch Berggeister und manchen versetzten Hort. Venezier sind gar häufig gekommen und haben viel hinweggetragen. Am Löge, oberhalb Steinbach, hat ein goldener Hirsch sich oftmals sehen lassen.

Einst ging ein junger Bergknappe aus Steinbach zu seinem Schacht auf der Windleite. Wie er nahe zur Winde kam, sah er ein ganzes Heer kleiner Bergmännchen an der Winde stehen, die waren gar tätig und eifrig mit Aufwinden und mit Gesteinpochen. Wie er nun mit offenem Mund näher schritt, ganz erstaunt über die verwunderliche kleine Knappschaft hei! Da purzelten sie kopfüber allzumal in den Schacht und es tat einen Krach, als ob der ganze Schacht in sich zusammenbräche. Da grauste es dem jungen Bergmann mächtig. Er ging hin zum Schacht, schnallte sein Hinterleder ab, schmiss es samt dem Grubenlicht in die Teufe hinab und sagte: »Mit euch fahre ich nicht an!«

Drüben in der Ruhl wurde er ein Messerschmied, und als er mit dem Lernen fertig war, kam er wieder nach Steinbach, ließ sich da als Messermacher nieder und brachte so dieses Handwerk als erster Meister dorthin. Und da hatten die Steinbacher es ihm nachgemacht und waren aus Bergleuten Messermacher geworden, wohnten darauf über anderthalbhundert Meister daselbst, aber kein einziger Bergmann mehr.

7.

Einst arbeitete ein Hauer aus Glücksbrunn im Reginaschacht. Da hörte er ein Rauschen und meinte, es fahre etwa ein Steiger an. Er sah eine Menschengestalt, anzuschauen wie ein Bergamtsoberer, mit schwarzem Hut, grünem Oberkleid, mit Manschetten, schwarzen Beinkleidern, Schuhen und weißen Strümpfen; in der Hand ein hell brennendes Grubenlicht; schönen Antlitzes und mit glänzenden Augen, so groß, dass er am Ort, das über 5 Schuh hoch war, an den First anstieß.

Der bestürzte Hauer schwieg und arbeitete angestrengt weiter, immer rascher und heftiger. Da wandte sich die Gestalt gen Morgen und fuhr in der Strecke von dannen.

Hätte der furchtsame Hauer nur den Bergmannsgruß »Glück auf!« gesprochen, so hätte sich ihm ohne Zweifel der reiche Stollen des Glücks erschlossen und aufgetan. So aber sah er nie wieder diese Bergerscheinung.

8.

Anderen erschien der Berggeist im Grubenkittel, Kniebügel an den Beinen, einen schwarzen, schiefen Hut auf dem Kopf, mit großen, glänzenden Augen, ein Grubenlicht in der Hand, auf sie zukommend. Auch diese wichen furchterfüllt dem Geist aus und fuhren wieder aus dem Schacht. Des Geistes Grubenlicht erhellte fast die Hälfte des aufwärtsgehenden Schachtes.

9.

Zwei Bergleute arbeiteten immer gemeinschaftlich. Einmal, als sie anfuhren und vor Ort kamen, sahen sie an ihrem Geleucht, dass sie nicht genug Öl zu einer Schicht auf den Lampen hatten.

»Was fangen wir da an?«, sprachen sie miteinander. »Geht uns das Öl aus, sodass mir im Dunklen sollen zu Tage fahren, sind wir gewiss unglücklich, da der Schacht schon ohnedies gefährlich ist. Fahren wir aber jetzt gleich aus, um von Zuhause Öl zu holen, so straft uns der Steiger, und das mit Lust, denn er ist uns nicht gut.«

Wie sie so besorgt standen, sahen sie ganz fern in der Strecke ein Licht, das ihnen entgegenkam. Anfangs freuten sie sich, als es aber näher kam, erschraken sie gewaltig, denn ein ungeheurer, riesengroßer Mann ging, ganz gebückt, in der Strecke herauf. Er hatte eine große Kappe auf dem Kopf und war auch sonst wie ein Mönch angetan, in der Hand aber trug er ein mächtiges Grubenlicht. Als er bis zu den beiden, die in Angst dastanden, geschritten war, richtete er sich auf und sprach: »Fürchtet euch nicht, ich will euch kein Leid antun, vielmehr Gutes.« Er nahm ihr Geleucht und schüttete Öl von seiner Lampe darauf. Dann aber ergriff er ihr Gezäh und arbeitete in einer Stunde mehr, als sie selbst in der ganzen Woche bei allem Fleiß herausgearbeitet hätten.

Nun sprach er: »Sagt’s keinem Menschen je, dass ihr mich gesehen habt«, und schlug zuletzt mit der Faust links in die Seitenwand. Sie tat sich auf und die Bergleute erblickten eine lange Strecke, ganz von Gold und Silber schimmernd. Weil der unerwartete Glanz ihre Augen blendete, so wendeten sie sich ab. Als sie aber wieder hinschauten, war alles verschwunden. Hätten sie nur ihre Pielhacke (Hacke mit Beil) oder sonst irgendeinen Teil ihres Gezähes hineingeworfen, so wäre die Strecke offengeblieben und ihnen viel Reichtum und Ehre zugestoßen. Aber so war es vorbei, wie sie die Augen davon abgewandt hatten.

Doch blieb ihnen auf ihrem Geleucht das des Berggeistes, das nicht abnahm und darum noch immer ein großer Vorteil war. Aber nach Jahren, als sie einmal am Sonnabend mit ihren guten Freunden im Wirtshaus zechten und sich lustig machten, erzählten sie die ganze Geschichte, und am Montagmorgen, als sie anfuhren, war kein Öl mehr auf der Lampe. Sie mussten nun jedes Mal wieder, wie die anderen, frisch aufschütten.

10.

In den Bergwerken um Clausthal und Andreasberg hat sich sonst ein Geist sehen lassen, den man den Bergmönch geheißen. Er hat sich wie ein Mönch getragen, ist aber von riesiger Größe gewesen und hat stets ein großes Inseltlicht (Unschlittlicht) in der Hand gehabt, das nie verlosch.

Wenn die Bergleute des Morgens eingefahren sind, hat er mit seinem Licht über dem Fahrloch gestanden und sie unter sich durchfahren lassen. Aber auch in den Schächten ist er ihnen oft begegnet, und zwar ist er da wie ein Geschworener einhergefahren.

Bei Andreasberg war nun einmal und Bergmann, der arbeitete in der Samsel (»Samson«), dem größten Schacht daselbst. Es ging ihm aber schlecht und er wusste nicht, wie er seine Frau und Kinder ernähren sollte. Da hatte er denn schon oft an den Bergmönch gedacht. Wie er denn eines Morgens wieder einfahren will, sagte er zu seiner Frau: »Wollte Gott, es begegnete mir heute der Bergmönch, ich wollte ihm so recht mein ganzes Leid klagen, er würde mir vielleicht helfen!«

Die Frau will ihm das zwar ausreden, aber er bleibt dabei, und in dem Gedanken geht er fort. Als er nun an den Schacht kommt und einfahren will, steht der Bergmönch da und tritt heran und drückt ihm Inselt auf seine Lampe. Dann winkt er ihm anzufahren. Der Bergmann will ihn zwar ansprechen, aber der Bergmönch winkt ihm nochmals, ruhig an seine Arbeit zu gehen, und da gehorcht er. Als er am Abend ausfährt, da tritt der Bergmönch wieder an ihn heran und drückt ihm einen Knorpel in die Hand. Wie er endlich zu Hause ankommt und den Knorpel bei Licht besieht, ist es ein großes Stück Gold. An dem Inselt aber, das ihm der Bergmönch auf sein Grubenlicht gedrückt hatte, hat er zeit seines Lebens genug gehabt, denn es hat sich nie verändert.

Jetzt hat man lange nichts mehr vom Bergmönch gesehen und einige sagen, er sei ins Mönchstal gebannt. Auch soll als Wahrzeichen dort ein Mönch in Stein gehauen sein, den man heute noch sehen kann. Wer freilich nicht recht Bescheid weiß, findet ihn nicht.

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