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Mythos Six Shooter

Mythos Six Shooter

Wenn man Pulp-Western liest und sich B-Western anschaut, könnte man daraus den Schluss ziehen, dass der Colt die einzige Pistole war, die im Wilden Westen verwendet wurde. Remington baute einen guten Six-Shooter, ebenfalls Starr und Smith & Wesson. Zuweilen trug Wyatt Earp eine Smith & Wesson. Frank James packte ein 1875er Modell von Remington und besaß auch einen Smith & Wesson Schofield, wie auch sein Bruder Jesse. Buffalo Bill Cody war ebenfalls ein großer Verehrer des Smith & Wesson Revolvers. Neben seinem treuen Colt führte Jesse James einen .44 Starr Revolver mit sich.

Die US Army unterzog mehrere Hersteller von Revolvern strengen Tests. Andere Marken waren besser als der Colt. Aber in puncto allgemeiner Robustheit, Design, Zuverlässigkeit und Einfachheit der Konstruktion konnte keiner mit dem Colt mithalten.

Der Revolver war für kurze Distanzen konzipiert worden. Ein erfahrener Schütze wurde als kompetent angesehen, wenn es ihm gelang, das Ziel in einer Entfernung von 15 Yards1 zu treffen. Da der Drall im gezogenen Lauf links herum verlief, würde die Kugel etwa 30 Inches2 auf 300 Yards abtriften, egal, wie gut der Schütze war. Die maximale Reichweite lag bei 75 Yards. Auf einer Distanz von 50 Yards konnte man die Schüsse in einem Kreisumfang von 6 Inches platzieren. Es war nicht auszuschließen, dass je nach den vorhandenen Bedingungen eine größere Reichweite erzielt werden konnte. Die Armee testete den Peacemaker und fand heraus, dass aufgrund der Flugbahn des Geschosses der Haltepunkt bei einer Entfernung von 150 Yards 4 Feet3 und bei 200 Yards bereits 8 Feet über der Ziellinie liegen musste.

Im Jahr 1878 kam das .44 Kaliber Colt auf den Markt. Es war unter den Weststaatlern sehr beliebt, weil die meisten auch das Winchester Modell 1873.44-40 in ihrem Scabbard trugen. Auf diese Weise benötigten sie nur eine Art von Munition für Pistole und Gewehr zugleich.

Schwarzpulver wurde bis 1890 verwendet. Es warf große Schwaden weißen Rauches aus den Läufen, die sich unter anderem im Saloon schnell ausbreiteten. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum einige Schießereien so armselig verliefen. Eine Schießerei im Long Branch Saloon in Dodge City am 5. April 1879 ist ein gutes Beispiel. Cockeye Frank Loving und ein Büffeljäger namens Levi Richardson gerieten in Streit, jagten einander um einen Spieltisch herum und schossen die ganze Zeit aus ihren Pistolen, deren Läufe sich fast berührten. Richardson fuchtelte mit seinem Revolver umher, feuerte aus ihr alle fünf Runden lang und verfehlte jedoch fünfmal sein Ziel. Es gelang ihm nur Cockeye Franks Kleidung in Brand zu setzen, da er diese getroffen hatte. Cockeye schließlich traf Levi mit einer tödlichen Kugel.

Man konnte nicht immer mit dem Abfeuern einer Patrone rechnen. Als John Broken Nose Jack McCall am 2. August 1876 in Deadwood auf James Wild Bill Hickok hinterrücks in den Kopf schoss, versagte zunächst sein Revolver. Außer der ersten, die den tödlichen Schuss abfeuerte, versagte jede weitere Patrone, die sich in der Trommel befanden.

Der Zwei-Pistolen-Gunman war meistens eine Schöpfung von Hollywood. Nur wenige waren aus dem Stand haraus in der Lage, verschwenderisch mit Munition umzugehen. Sogar der ungewöhnlich geschickte Hickok war mit seiner linken Hand nicht so schnell wie mit der rechten. Während eines Schauschießens, als die Linke nicht so recht mitspielen wollte, war sein einziger Kommentar, dass er noch nie einen Mann mit der linken Hand erschossen hat. Der eigentliche Zweck einer zweiten Pistole war, eine Waffe in Reserve zu haben. In den frühen Tagen des Revolvers wurden zusätzliche Waffen getragen, weil es eine schmerzlich lange Zeit zum Nachladen brachte. Wenn sie keine zusätzlichen Revolver mit sich führten, hatten sie oft eine zusätzliche Trommel oder zwei geladene einsatzbereit.

Einer der Gründe für die Popularität des Colts aus dem Westen war die Tatsache, dass, wenn irgendein Teil der Waffe gebrochen wäre, es noch funktionieren würde. Texas Ranger und Redakteur des Austin Texas Democrat Captain John Salmon (Rip) Ford schrieb, dass während der Schlacht von Agua Fria in Texas im Jahre 1866 der Hammer des Colts des Rangers Sam Walker Trimble, der Urgroßvater des Redakteurs, brach und er immer noch in der Lage war, seine Waffe mithilfe eines kleinen, in der Hand gehaltenen Hämmerchens abzufeuern.

Es dauerte nicht lange, bis anderer Hersteller gute Revolver im Wettbewerb mit dem Colt auf den Markt brachten. Im Jahre 1858 produzierte Remington einen Single-Action-Revolver mit zylindrisch durchbohrter Trommel für Patronen. Fünf Jahre später trat ein neues Modell mit einigen Modifikationen an dessen Stelle, die das beliebte .44 Kaliber New Model Army führte.

Smith & Wesson entwickelte ihren berühmten Nr. 3 Single Action Revolver um 1868, welcher bis 1898 produziert wurde.

Im Jahre 1870 entwarf Major George Schofield, ein Offizier in der US Kavallerie, die Nr. 3 und verbesserte sie in mehreren kleineren und einem großen Verfahren, angeblich für den berittenen Einsatz. Es war die Schofields Version, die den anhaltenden Ruhm des Revolvers sicherstellte.

Wie bei jedem einzelne Single Action Revolver musste auch beim Modell 1875 Schofield von Smith & Wesson der Hammer manuell gespannt werden, bevor die Waffe abgefeuert werden konnte. Es gab keinen seitlichen Patronenhülsenauswurf; stattdessen nach vorn abklappbar. Der prinzipielle Vorteil dieser Konstruktion ist, dass alle abgefeuerten Patronenhülsen gleichzeitig entfernt werden können. Ein Nachteil dabei bestand darin, dass auch nicht abgefeuerte Patronen ausgeworfen wurden. Dies war wichtig, da zum Beispiel ein Soldat insgesamt nur mit 18 Revolverpatronen und 50 Gewehrpatronen ausgestattet war und mit der Munition sparsam umgehen musste.

Während des Sezessionskrieges kam Starr mit einem Revolver, der im Funktionsprinzip genauso wie die bereits bewährten Modelle von Colt und Remington arbeitete, aber von seinem Aufbau her viel komplizierter war und fand unter den Weststaatlern keinen allgemeinen Anklang.

Quelle:

(wb)

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  1. 1 Yard = 0,9144 Meter
  2. 1 Inches = 2,54 Zentimeter
  3. 1 Feet = 30,48 Zentimeter

3 Kommentare zu Mythos Six Shooter

  • Paule sagt:

    … und wie genau trifft ein Indianerpfeil vom Langbogen abgeschossen? Hast du da auch Daten parat?
    Neben den Native Americans gab/gibt es noch andere Völker, welche Pfeil und Bogen benutz(t)en.
    Danke für dein Essay.

    • W. Brandt sagt:

      Werte dahingehend nennen zu können, hängt von einer Vielzahl von Faktoren wie zum Beispiel Stärke des Bogens, Länge des Pfeiles, Abschusswinkel, Eigenschwingung des Pfeiles, Windverhältnisse … ab.
      Ein geübter Indianer war in der Lage, auf einer Distanz von bis zu 400 Yards zielgenau einen Pfeil abzuschießen.
      Den Weltrekord mit einem Recurvebogen und einer Weite von 1222,02 Metern aus dem Jahr 1987 hält Don Brown.
      Schaut mal da: http://www.bs-pfaffenwinkel.de/download/flugweite-reindl.pdf

      • Paule sagt:

        Informativer Text im Link. Auch die Japaner schießen mit Sportbögen .. wie weit?
        Also ist ein Pfeil treffsicherer, leiser, geruchsarm .. keine Nebelbildung und keine Fehlzündungen.
        Danke Wolfgang.

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