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Marshal Crown Band 30

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Der Kommandant des Tower 36

Der Kommandant des Tower
Band 2
Historische Erzählung von W. Harrison Ainsworth
Verlag von Christian Ernst Kollmann, Leipzig, 1863
Drittes Buch
Der Lordgroßadmiral von England
Neuntes Kapitel

Auf welche Weise der Lordgroßadmiral die Pflichten seines Amtes erfüllte

Von seinem gefährlichen Feind befreit, fühlte sich Somerset vollkommen sicher. Das Conseil war seinem Willen so sklavisch ergeben, dass er es nicht einmal immer für nötig befand, dasselbe zu befragen. In vielen wichtigen Angelegenheiten handelte er einzig auf eigene Verantwortlichkeit. Er ernannte sowohl Zivil- als auch Militärbeamte. Er unterzeichnete Haftbefehle und erließ Mandate, mit seinem eigenen Siegel versehen. Er hielt Privatkonferenzen mit fremden Gesandten und enthüllte nicht immer die mit ihnen gepflogenen Unterhandlungen. Er hielt sich einen vollkommenen Hofstaat und nahm eine so stolze Haltung und einen so anmaßenden Ton an, dass er sich bei dem alten Adel immer mehr und mehr verhasst machte, besonders auch deshalb, weil er es unverhohlen darauf anlegte, sich bei den Gemeinen beliebt zu machen.

Als darauf ankam, die großartigen Versprechungen zu erfüllen, die er seinen Anhängern gemacht hatte, fand Somerset es nicht nötig, deren Mahnungen zu beschwichtigen. Aber er hatte eine Quelle, die in jenen Tagen leicht dienstbar gemacht werden konnte. Die Kirche war von dem verstorbenen König eines großen Teiles ihrer Besitzungen beraubt worden, aber es blieb immer noch genug zu nehmen übrig. Es wurde schleunigst ein Verzeichnis angefertigt, wonach beinahe dreitausend barmherzige Stiftungen, Gymnasien, Kapellen und andere Institute der Art aufgehoben und der Krone übermacht wurden. Aus den so genommenen Fonds bereicherte der Lordprotektor sich selbst und befriedigte seine Anhänger.

Da er auf eine lange Dauer seiner Macht rechnete, so beschloss Somerset, sich einen Palast zu bauen, der den von Whitehall noch übertreffen sollte. Demgemäß wählte er einen Platz an den Ufern der Themse, und unbekümmert darum, dass daselbst die alte Kirche St.-Maryle Le Strand und einige andere ansehnliche Klostergebäude standen, befahl er rücksichtslos deren Zerstörung. Ebenso wenig Skrupel, wie ihn dieWahl eines Platzes gemacht hatte, machte ihm das Herbeischaffen des Baumaterials. Es gab genug Kirchen, die ihm die Mauersteine liefern konnten. Ohne Bedenken ließ er die große Kirche St.-Johannes von Jerusalem mit ihrem schönen Turm niederreißen, desgleichen die Klöster an der Nordseite der St.-Paulskirche mit Beinhaus und Kapelle und benutzte das Material zu seinem Zweck. Dieses tempelschänderische Verfahren wurde allgemein verdammt, und abergläubische Menschen behaupteten, dass es ihm Unglück bringen würde. Indessen wurde Somerset House trotz dieser Mißbilligung angefangen und wirklich vollendet.

Während der Lordprotektor auf diese Weise eine Gewalt ausübte, die er sich in so gewissenloser Weise angeeignet hatte, einen Hofstaat hielt, das Conseil beherrschte, die Erlasse kontrollierte und gelegentlich die Mitglieder scharf tadelte, während er mit fremden Gesandten unterhandelte, Dekrete und Haftbefehle unterzeichnete, über Ämter und Gelder verfügte, über Ernennungen und Beförderungen entschied, eigenmächtig Gefängnisstrafen verhängte – gerade so, wie es der gewaltige Heinrich gemacht hatte – und sich in allen anderen Beziehungen wie ein König gerierte, hatte sein jüngerer und nicht minder ehrgeiziger Bruder die Funktionen des neuen Amtes, womit er betraut war, übernommen.

Seit einer Reihe von Jahren war das Amt eines Lordgroßadmirals ein sehr hohes Vertrauensamt und brachte sogleich viel ein. Gewöhnlich bekleideten dasselbe Prinzen von Geblüt oder die vornehmsten Edelleute. Als oberster Richter über alles, was auf dem Meer oder an den Küsten passierte, hatte der Lordgroßadmiral die Befugnis, alle Seeoffiziere zu ernennen, Seesoldaten zu pressen, Strafen und Geldbußen wegen aller zur See vorfallenden Übertretungen zu verhängen und Piratengüter und Wracks mit Beschlag zu belegen. Außerdem hatte er Gewinnanteile und viele andere Privilegien. Dass Lord Seymour dieses ehrenvolle und einträgliche Amt in dem alleinigen Gedanken übernahm, dass es ihm eine Stufe zu noch höheren Ehren sein solle, wissen wir, aber zugleich sollte es ihm allen nur möglichen Einfluss, Macht und Vorteil gewähren. Aus verschiedenen Quellen war dem Admiral plötzlich ein bedeutender Reichtum zugeströmt. Sein Neffe hatte ihm große Revenüen zugewiesen sowie auch die großen Besitzungen von Sudeley in Gloucestershire.

Außerdem stand noch Königin Catharinas Heiratsgut zu seiner Verfügung. So in vollem Maße im Besitz der erforderlichen Mittel entfaltete er eine Pracht, die nur von der des Lordprotektors übertroffen wurde. In Seymour House, so hieß seine Residenz, hielt er einen fürstlichen Hofstaat von Dienern, Knappen, Pagen, Zeremonienmeistern, Pförtnern und anderen, die alle aufs Prächtigste gekleidet waren. Sich selbst er umgab mit einer Anzahl junger Edel­leute, die ihm wie Knappen dienten. Seine üppige Lebensweise missfiel dem Lordprotektor sehr, und er machte ihm auch Vorstellungen deshalb, aber umsonst.

Ungefähr einen Monat nach seiner Ernennung saß der Lordgroßadmiral eines Tages in einem geräumigen Gemach mit der Aussicht auf die Themse, woselbst er gewöhnlich seine Geschäfte zu besorgen pflegte. Dies Zimmer gehörte nicht zu seiner Privatwohnung, sondern zu einer Reihe von Gemächern, die ihm in Whitehall zur Verfügung standen. Die Wände waren mit großen Karten und Plänen der wichtigsten Häfen von England, Irland, Schottland und Frankreich bedeckt, während die Tapeten ältere und neuere Seegefechte darstellten. So groß auch das Zimmer war, so war es doch dermaßen mit Schiffsmodellen, Gerätschaften, die zur See gebraucht werden, und mit großen Pulten angefüllt, dass man sich kaum hindurchbewegen konnte. In dem Augenblick, wo wir ihn hier aufsuchen, war der Admiral allein und mit Briefschulden beschäftigt, aber bald darauf trat noch eine andere Person ein und näherte sich ihm ehrerbietig. Es war Ugo Harrington, der jetzt als Erster Sekretär fungierte. Als Ugo näher kam, blickte der Admiral auf und fragte nach seinem Begehr.

»Geruht Eure Hoheit, die Handelsleute zu sehen, die zum Mittelmeer fahren?«, fragte Ugo sich verbeugend.

»Hast du es ihnen zu verstehen gegeben, dass sie mit keinem der Häfen im Mittelmeer ohne meine Erlaubnis verkehren sollen?«, erwiderte der Admiral.

»Ja, Eure Hoheit, und ich habe ihnen auch angedeutet, dass sie für solche Erlaubnis zu zahlen – gut zu zahlen hätten.«

»Und was antworteten sie?«

»Sie protestierten ein für alle Mal gegen diese Forderung, die früher nie gemacht worden sei.«

»Das ist kein Grund, sie jetzt nicht zu machen«, entgegnete der Admiral lachend. »Ich will den Tribut oder sie sollen nicht unter Segel gehen. Sag ihnen das.«

Ugo verbeugte sich und ging.

Seymour nahm seine Korrespondenz wieder auf, aber er hatte noch nicht lange weiter geschrieben, als sein Diener zurückkehrte.

»Nun, sind die Kaufleute fort?«, fragte der Admiral aufblickend.

»Ja, Eure Hoheit«, antwortete Ugo. »Sie haben jener fünfzig Mark bezahlt, die ich in Eure Schatulle gelegt habe. Sie murrten sehr über die Erpressung, wie sie es nannten, aber ich verweigerte die Erlaubnis, bis sie zahlten.«

»Hinfort soll kein Schiff Waren von diesem Reich ausführen, ohne eine dem Wert der Ladung entsprechende Auflage zu zahlen. Es sei dein Amt, dafür zu sorgen, dass solches geschehe.«

»Die Befehle Eurer Hoheit sollen aufs Genaueste erfüllt werden. Was soll mit all den Gütern und kostbaren Waffen geschehen, die den Piraten, welche die portugiesischen Kaufleute in der Mündung des Kanals plünderten, weggenommen worden sind? Der Eigentümer hat Ansprüche gemacht. Sollen ihm die Sachen wieder zugestellt werden?«

»Ich wundere mich, wie ein Mensch von deiner Klugheit und Verschlagenheit so fragen kann, Ugo. Die Güter wieder zustellen! Nein, bei St.-Paul! Nicht ein Titelchen davon. Nimm selbst davon, was du willst, und das andere verteile unter deine Kameraden. Schicke diesen portugiesischen Kaufmann weg und sage ihm, er soll sich über seinen Verlust trösten. Wenn er klagt, so drohe ihm. Diese Piraten sind uns sehr nützlich, und wenn wir ihnen auch ihre Beute abnehmen, so dürfen wir ihnen doch nicht das Handwerk legen.«

»Dabei fällt mir ein, dass einer der verwegensten Pi­raten, die jemals die nördlichen Meere unsicher machten, Capitain Nicolas Hornbeak, neulich gefangen worden ist. Möge Eure Hoheit befehlen, was mit ihm geschehen soll!«

»Hm! Ich muss das überlegen«, sagte der Admiral nachsinnend. »Hornbeak ist ein kühner Bursche. Es wäre schade, ihn zu hängen. Ich muss ihn sprechen. Ist er in sicherem Gewahrsam?«

»Er ist im Gatehousegefängnis, Eure Hoheit.«

»Lass ihn morgen früh zu mir führen.«

»Ich sehe, Capitain Hornbeak hat gute Aussichten, abermals einen Haufen von Desperados zu befehligen.«

»Alles wird auf ihn ankommen«, entgegnete der Admiral. »Ich habe Dinge abzumachen, die Männer von Hornbeaks Art weit besser verrichten können als andere. Binnen Kurzem werde ich Herr der Scilly Islands sein, Ugo. Sie sind schon von Natur fest, aber ich möchte sie uneinnehmbar machen. Auf diesen Inseln gedenke ich Schätze und Vorräte aufzuhäufen, um mich im äußersten Fall dorthin mit Sicherheit zurückziehen zu können. Diese Piratenschiffe würden mich dann gegen etwaige Angriffe verteidigen, und wenn eine Empörung im Land ausbräche, so würden sie dieselbe wesentlich unterstützen – wenn sie gut geführt würden.«

»Ich fange an, Eurer Hoheit Absichten zu verstehen«, bemerkte Ugo. »Es ist eine schreckliche Verschwörung, die Ihr da andeutet.«

»Das wirst du sagen, wenn du erst mit all den Verzweigungen bekannt bist. Ich habe ein festes Schloss in Denbingshire, welches ich noch mehr zu befestigen gedenke und wo ich ebenfalls Waffen und Vorräte deponieren werde. In zwei Monaten werde ich zwei Dutzend Grafschaften auf meiner Seite haben. Habe ich nicht recht, dass ich alle Mittel ergreife, um den Ausbruch zu beschleunigen?«

»Gewiss, Mylord, Ihr habt ganz recht, wenn Ihr Euch eines jeden Werkzeuges bedient, das Euren Zweck fördern kann.«

In diesem Augenblick trat ein Zeremonienmeister ein und meldete mit einer tiefen Verbeugung, dass der Marquis von Dorset draußen sei und um eine kurze Privatunterredung mit dem Lordadmiral bitte.

»Führe Seine Lordschaft sogleich herein«, sprach Seymour zu dem Zeremonienmeister. »Geh, Ugo«, wandte er sich dann zu seinem Diener, »aber warte im Vorzimmer, ich möchte deiner bedürfen. Ich kann ungefähr erraten, was ihn hierherführt.«

Als hierauf der Diener verschwand, stand der Admiral auf.

»Willkommen am Hofe, Mylord!«, rief er Dorset entgegen. »Ihr habt Euch lange fern von uns gehalten.«

»Nur einen Monat, mein guter Lord«, erwiderte der Marquis, »aber es ist mir schmeichelhaft, zu finden, dass man mich vermisst hat. Geruhte Seine Majestät von mir zu reden während meiner Abwesenheit?«

»Sehr oft, Mylord, und er unterließ nie zu fragen, ob Ihr bei Eurer Rückkehr nicht Lady Jane Grey, Eure Tochter mitbringen würdet. Ich hoffe, Ihr habt es getan?«

»Meine Tochter und die Marquise kehren morgen von Bradgate zurück. Das dauernde Interesse Seiner Majestät für meine Tochter, wovon Ihr mir erzählt, entzückt mich. Ich fürchtete, er dächte nicht mehr an sie.«

»Noch ist der Eindruck, den sie auf sein junges Herz gemacht hat, ebenso stark wie zu Anfang, aber er hätte verwischt werden können, wenn sie viel länger fortgeblieben wäre. Ich bin deshalb erfreut, zu hören, dass sie bald zurückkommt. Aber, bitte, nehmt Platz, Marquis. Wir sprechen dann behaglicher, und ich habe Euch mancherlei zu sagen. Die Zeit ist gekommen, wo wir in Betreff der Obhut Eurer Tochter eine Anordnung treffen können. Ihr seid nicht anderen Sinnes in dieser Beziehung geworden, denke ich, sondern seid immer noch geneigt, sie meinem Schutz anzuvertrauen?«

»Ich bin ganz bereit, an meinem Übereinkommen mit Euch festzuhalten, Mylord Admiral. Aber seid Ihr in der Lage, sie empfangen zu können? Eure geheime Heirat mit der Königinwitwe ist noch nicht anerkannt. Unvorhergesehene Schwierigkeiten mit dem Conseil, mit dem Lordprotektor oder selbst mit dem König könnten eintreten, und bis jene Angelegenheit im Reinen ist, müsst Ihr einiges Zögern meinerseits entschuldigen.«

»Morgen soll meine Heirat mit der Königin meinem königlichen Neffen und dem Lordprotektor in aller Form angezeigt werden, und Ihr habt Gelegenheit, wenn es Euch beliebt, zu sehen, wie die Sache aufgenommen wird. Ihr mögt dann selbst entscheiden, ob es geraten ist, Lady Jane meiner Obhut anzuvertrauen.«

»Eure Hoheit fürchtet also nicht das Missfallen des Königs oder den Ärger des Lordprotektors?«

»Ich fürchte gar nichts, Marquise. Dass Somerset in eine wahre Wut geraten wird, wenn er die Wahrheit erfährt, das bezweifle ich keinen Augenblick. Aber was liegt daran? Ich bin an seine Wutausbrüche gewöhnt und setze ihnen Verachtung entgegen. Die Sache ist geschehen und man muss sich darein finden.«

»Dem König habt Ihr wohl das Geheimnis noch nicht anvertraut?«

»Mit der Heirat habe ich ihn noch nicht bekannt gemacht, aber ich habe seine Zustimmung, was ebenso gut ist. Seine Majestät war sogar so gnädig, an die Königinwitwe zu schreiben und sie zu bitten, meinem Antrag Gehör zu schenken.«

»Dann ist freilich von der Seite nichts zu fürchten«, sagte Dorset lachend. »Aber seid Ihr des Conseils ebenso gewiss?«

»Was kann das Conseil machen?«, entgegnete Seymour achselzuckend. »Die Sache ist nicht mehr zu ändern, wie ich eben sagte. Sie müssen sich darein finden, so gut sie können. Übrigens habe ich Grund zu glauben, dass die Mehrzahl der Mitglieder mir günstig gestimmt ist. Ich habe Warwick und Russel ausgehorcht nnd finde sie gut disponiert.«

»Was sagt Ihrer Majestät Bruder, der Graf von Northampton? Habt Ihr ihm die Sache angedeutet?«

»Ich hielt es nicht für klug, das zu tun. Aber er wird um seiner Schwester willen sich geneigt zeigen. Ihre Hoheit hat großen Einfluss auf ihn und wird solchen im rechten Moment geltend zu machen wissen. Ihr seht also, Marquis, ich bin vollkommen sicher.«

»Es freut mich, Euch so zuversichtlich zu finden, Admiral, und ich hoffe, dass nichts Ungelegenes passiert. Aber was meine Tochter betrifft, so scheinen mir die Aussichten nicht eben so gut. Wie ich höre, ist der Lordprotektor entschlossen, die Heirat zwischen dem jungen König und der jugendlichen Königin von Schottland durchzusetzen, und da man auf seinen Vorschlag nicht eingegangen ist, will er jenem Land den Krieg erklären.«

»Eure Lordschaft ist recht berichtet. Der Herzog von Somerset bereitet jetzt wirklich eine Expedition nach Schottland vor und wartet nur die Rückkehr Sir Francis Bryans ab, der nach Frankreich geschickt worden ist, um womöglich dessen Neutralität zu sichern. Höchstwahrscheinlich wird die Expedition unternommen, und es ist fast ebenso gewiss, dass die Schotten unterliegen; und doch wird der Vertrag zunichtewerden.«

»Wieso?«, fragte Dorset. »Mir scheint, dass, wenn der Vertrag einmal geschlossen wird, er auch alle Aussicht auf Erfüllung hat.«

»Er wird nicht erfüllt, weil die Hauptperson bei dem­selben ihm abgeneigt ist. Er will stch selbst eine Gemahlin suchen und sich durch keinen Vertrag binden lassen. Versteht Ihr mich jetzt, Marquis?«

»Aber er könnte anders bestimmt oder durch politische Gründe geleitet werden.«

»Zugestanden, aber wenn ich irgendwelchen Einfluss auf ihn habe, so tut er weder das eine noch das andere.«

»Wohl, Mylord Admiral, Ihr habt meine Bedenken beschwichtigt. Ich stehe zu Euch. Lasst nur erst Eure Heirat in Gegenwart des König bekannt machen, und meine Tochter soll der Königin Catharina anvertraut werden und Euch die Verfügung über ihre Hand zustehen.«

»Die Bekanntmachung wird morgen in Seymour House geschehen, Marquis, und Ihr selbst sollt Zeuge sein, wenn Ihr Lust habt. Der König beehrt mich bei einem Bankett mit seiner Gegenwart, und der Lordprotektor nebst den Conseilsmitgliedern und vielen anderen Edelleuten sind ebenfalls geladen. Ich werde die Gelegenheit wahrnehmen, ihnen meine königliche Gemahlin vorzustellen.«

»Der Plan ist Eurer würdig«, antwortete Dorset. »Ich kann mir die Szene vorstellen – des Lordprotektors Überraschung und Zorn, und die betroffenen Gesichter der Conseilsmitglieder. Aber da Ihr den König auf Eurer Seite habt, so muss alles gut ablaufen. Ich bin Eurer Lordschaft sehr verbunden, dass Ihr mir gestattet, bei einer so interessanten Szene zugegen zu sein, und ich werde nicht ermangeln, mich einzufinden.«

Hierauf erhob er sich wie zum Abschied, aber nach einigem Zögern sagte er: »Ich war im Begriff, Eure Freundschaft noch auf eine Probe zu stellen, aber es hat noch Zeit damit bis zu einem gelegeneren Augenblick.«

»Keine Zeit ist mir gelegener, als die jetzige, Marquis«, sagte der Admiral, welcher erriet, was kommen würde. »Wie kann ich Euch dienen? Zeigt mir nur den Weg.«

»Ihr habt mir bereits fünfhundert Pfund geliehen, ich möchte Eure Güte nicht ferner in Anspruch nehmen.«

»Nein, Ihr verbindet mich, indem Ihr mir die Möglichkeit zeigt, die Aufrichtigkeit meiner Gesinnung zu beweisen, Marquis. Wie viel braucht Ihr?«

»Dürfte ich wagen, noch um weitere fünfhundert zu bitten?«

»Wieso wagen? Sagte ich nicht, dass ich Euch verbunden bin? Seid Ihr sicher, dass fünfhundert Pfund ausreichen?«

»Ganz sicher. Sie reichen vollkommen aus – einstweilen«, setzte er innerlich hinzu.

»Ugo Harrington soll die Summe nach Dorset House besorgen«, sprach der Admiral. »Ich rechne auf Eure Unterstützung morgen.«

»Nicht nur morgen, sondern jederzeit, bester Lord«, entgegnete Dorset, indem er sich verbeugte und ging.

Als Seymour allein war, verlieh er seinen Gefühlen folgendermaßen Ausdruck: »Er veranschlagt die Verfügung über seiner Tochter Hand auf tausend Pfund. Er kennt ihren Wert nicht. Sie ist mehr wert, als Somersets sämtliche Titel und Revenüen und soll mich zum Herrn an seiner statt machen.«

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