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Felsenherz der Trapper – Teil 12.6

Felsenherz der Trapper
Selbsterlebtes aus den Indianergebieten erzählt von Kapitän William Käbler
Erstveröffentlichung im Verlag moderner Lektüre GmbH, Berlin, 1922
Band 12
Die beiden Trumms
Sechstes Kapitel

Der Tod des Großen Bären

Er erhob sich von dem Graslager, das sich unter einem oben weit vorspringenden, dachähnlichen Steinblock befand.

Im selben Augenblick zuckte ein letzter Blitz des fernen Gewitters auf und zeigte ihm eine hohe, schlanke Gestalt, die soeben in dem schmalen Zugang dieses Schlupfwinkels erschienen war.

»Bleibt nur hier, Master Hilpray«, sagte der Fremde ruhig. »Ihr habt ganz recht. Es sind die beiden Trumms! Und ich bin der dritte – Buschklepper!«

Er lachte leise und gnutmütig und fügte hinzu: »Man nennt mich hier in der Wildnis Felsenherz, den Trapper. Wir drei folgten Euch nur, um Euch vor den Mescalero zu beschützen.«

Der lange Hilpray, in der Tat ein endlos langer, dürrer Mensch mit scharfer Hakennase, streckte Felsenherz sofort freundlich die Hand hin.

»Willkommen, Master. Ihr habt uns nach Westmannsart belauscht. Da wisst Ihr ja Bescheid. Dort sitzt Miss Stummer. Es ist verdammt dunkel hier. Aber ein Feuer dürfen wir nicht anzünden. Nun sagt mir nur, wie Ihr den Zugang zu meinem Versteck gefunden habt?«

»Davon später«, meinte Felsenherz ernst. »Folgt mir, Master. Wir wollen die beiden Trumms nicht allein lassen …«

Beide Männer schritten dann eilends den schmalen Pfad hinab.

Als sie in die Gasse zwischen den Kakteenfeldern einbogen, hörten sie abermals zwei Schüsse, dann wieder zwei.

Sie begannen jetzt zu laufen.

Und abermals zwei hellere Knalle – aus den Pistolen der beiden Trumms, die jetzt von einer ganzen Schar von Apachen angegriffen worden waren.

Felsenherz und Hilpray kamen gerade noch zur rechten Zeit.

Die Mescalero hatten sich bereits mit der Abteilung des Großen Bären vereinigt, und dieser trieb jetzt seine Krieger ohne Rücksicht auf Verluste vorwärts, nachdem er von den Mescalero gehört hatte, dass Felsenherz hier in der Sackgasse der Kakteen mit eingeschlossen war.

Der blonde Trapper feuerte sofort mitten in den dunklen Schwarm der Andringenden hinein – feuerte alle vier Kugeln seiner beiden Büchsen ab. Da auch der lange Hilpray eine Doppelflinte besaß, da auch seine Schüsse ein paar Angreifer niederwarfen, fluteten die Apachen nach Verlust von zehn Toten und Verwundeten zurück.

»Rasch – holt Eure Reittiere!«, rief Hilpray jetzt den Trumms zu. »Wir können uns hier nicht halten! Führt sie durch die Kakteen zu den Felsen! Ich werde dafür sorgen, dass die rote Bande schleunigst verduftet! Auch für solche Fälle bin ich vorbereitet!«

Felsenherz und die Trumms zögerten nicht einen Moment. Sie sahen ein, dass der lange Hilpray recht hatte. Wenn der Große Bär, dessen wütende Stimme vorhin deutlich vernehmbar gewesen war, seine Krieger nochmals vortrieb und den Angriff zu Pferde unternehmen ließ, wären die vier Männer fraglos überrannt worden.

Der blonde Trapper wartete am Eingang des schmalen Pfades, bis die Trumms ihre Maulesel geholt hatten. Dann zeigte er ihnen den Weg, ließ sie vorangehen und band den Zügel seines Braunen am Sattel von Jobbs Finni fest, blieb zurück und fragte Hilpray, ob er ihm irgendwie helfen könne.

»Steckt ein paar trockene Kakleenstauden drüben in Brand!«, rief der langee Trapper zurück.

Was dieser da zeigt Schritt weiter vorn tat, konnte Felsenherz in dieser Finsternis, die nicht einmal mehr durch einen Blitz erhellt wurde, nicht erkennen.

Bald flammten denn auch ein paar Stauden, die der blonde Trapper durch Befühlen der Blätter als vertrocknet herausgefunden und ausgerissen hatte, knisternd hoch.

»Gut so!«, kam Hilprays Stimme aus der Dunkelheit herüber. »Nun her mit dem brennendem Zeug!

Und Felsenherz nahm die lodernden Sträucher und lief zu dem langen Jäger hin, sah nun, dass dieser in dem Engpass einen ganzen Wall von Stauden aufgeschichtet hatte.

»Nun gebt acht«, meinte Hilpray lachend. »Diese Stauden hatte ich mir längst für die Stunde der Not zurechtgelegt. Der Wind kommt von Norden. Werft die Brandfackel nur in den Haufen hinein! Ihr werdet Euer blaues Wunder erleben. Denn dort die ganze linke Seite der Gasse besteht ans Stauden, die ich durch Messerschnitte in das Stammende zum Absterben gebracht habe …«

Felsenherz schleuderte die lohenden Büsche in den Haufen.

Und im gleichen Augenblick ertönte von Westen her auch schon das Angriffsgeheul der Apachen.

Im Schein der brennenden Kakteen, die mit Zischen und Fauchen aufloderten und grelle Lichtstreifen in die Finsternis schickten, erschienen daherrasende Pferdeleiber, deren Reiter sich an den Schweifen festhielten und zu Fuß hinterherrannten.

Eine dicht gedrängte Phalanx von Rossen stürmte heran – eine lebende Welle, die alles vor sich zu erdrücken drohte.

Noch fünfzehn – noch zehn Meter.

Dann legte Felsenherz die Jaguar-Büchse an die Schulter, zielte, drückte ab.

Auch Hilpray hatte seine Büchse nach alter Trappersitte längst wieder geladen.

Auch er war seines Schusses sicher, zielte auf die Stirnen der Mustangs.

Zwei Feuerstrahlen – zwei weitere Pferde der Angreifer brachen wie vom Blitz getroffen zusammen.

Vier Gäule wälzten sich am Boden, ließen den Ansturm ins Stocken geraten.

Da – ein starker Windstoß fachte die Glut noch mehr an. Das Feuer sprang auf die abgestorbenen Stauden am südlichen Rand der Gasse über.

Mit seltsamen Lauten flammten auch hier die Pflanzen auf. Die trockenen Fruchtknollen platzten mit hellem Knall.

Die Apachenmustangs waren nicht mehr vorwärtszubringen, machten kehrt.

Hinter ihnen leckten die hüpfenden Flammen, vereinigten sich zum breiten Fetterbrand, fraßen weiter und weiter, sandten ihre Glutwellen vor sich her, trieben den Großen Bär mit all seinen Kriegern in die Flucht.

Der lange Hilpray wandte sich Felsenherz zu.

»So, nun müssen wir den Zugang zu meinem Versteck verschließen«, meinte er triumphierend. »Für eine Stunde sind wir unbelästigt. Das reicht hin, alle Spuren zu tilgen, die uns verraten könnten. Helft mir, die Fährten anszulöschen, die in den engen Pfad führen.«

Felsenherz erschien all dies kaum genügend, die Aufmerksamkeit der Apachen von dem Schlupfwinkel abzulenken.

»Die Rothäute werden fraglos ahnen, dass es hier einen Pfad durch das Kakteenfeld gibt, wenn sie uns nachher nicht finden«, meinte er zögernd, da er bereits vermutete, dass Hilpray noch weitere Mittel besaß, die Apachen irrezuführen.

»Oh, sie werden ja am Ende der Sackgasse auch wirklich so einen Pfad finden«, sagte der lange Trapper ganz stolz. »Es ist ein natürlicher Pfad, vorn nur durch vier Stauden verschlossen. Er läuft im Bogen wieder nach Osten zu. Vorwärts – bringt hier die Stauden wieder an ihre alte Stelle, Master, pflanzt sie ein, glättet den Sand mit den Händen. Ich werde dort am Ende der Sackgasse den Boden gehörig zerstampfen.«

Inzwischen hatten die Trumms zwischen den Steinblöcken, wo auch mehrere Pferde sehr bequem Platz hatten, mit Lydia Summer ein überraschendes Wiedersehen gefeiert.

Der dicke Jobb konnte sich gar nicht beruhigen, dass das junge Mädchen so waghalsig gewesen und seit einer Woche allein durch die Wildnis gen Osten geritten war.

»Lydia, Kind«, meinte er vorwurfsvoll, »wie konntest du nur so leichtsinnig sein! Wenn dich die Mescalero erwischt hätten, dann …«

»… dann würde die letzte Kugel aus meiner Büchse mich selbst getroffen haben!«, erklärte die junge Frau ernst. »Ihr beide, Onkel Robb und Jobb, hättet mich ja doch nicht mitgenommen, selbst wenn Ihr noch dagewesen wäret, als ich meines Vaters Beichte las.«

»Wir sollten dich nicht mitbringen«, brummte Robb nun. »Vater Summer hatte es uns streng verboten. Er wollte dir nicht mehr unter die Augen treten. Er schämte sich wohl vor dir, Lydia! Nun – jetzt wird er sich um so mehr freuen …«

Bald erschienen dann auch Felsenherz und der lange Hilpray in dem Versteck.

Man beschloss, dass man abwechselnd wachen wolle. Auf dem höchsten der Steinblöcke gab es eine mulden­artige Vertiefung, in der ein Mann sich recht gut verbergen konnte. Von da aus hatte man eine weite Fernsicht und konnte alles beobachten, wass die Apachen unternehmen würden.

Felsenherz verlangte, dass er die erste Wache bis Mitternacht bekäme. Die anderen waren einverstanden. Er erklärte dann, er würde zunächst auf dem schmalen Pfad bis an die den Zugang verdeckenden Stauden vorschleichen. Er nahm die Jaguar-Büchse mit und machte sich lautlos davon.

Dann lag er hinter den abgestorbenen Kakteenstauden und horchte angestrengt in die Nacht hinaus.

Das Feuer war bereits im Erlöschen. Der Mond hatte sich hinter der südlichen Wolkenbank hervorgearbeitet und übergoss mit bläulichem Schein die endlose Llano-Wüste.

Eine halbe Stunde verstrich.

In der Gasse draußen waren das Knarren von Sätteln dumpfe Huftritte zu hören.

Vier Apachenspäher ritten langsam, tief auf die Hälse ihrer Mustangs gebückt, vorüber.

Kaum acht Meter trennten den blonden Trapper von der Gasse zwischen den Stachelfeldern.

Und nun ein einzelner Apache – ein wahrer Riese mit Adlerfedern in der Skalplocke, mit Ketten von Bärenkrallen um den Hals: der Oberhäuptling – der Große Bär!

Er folgte den vier Spähern.

Seine nie schlummernde Rachgier trieb ihn vorwärts. Kein anderes Bleichgesicht hasste er so wie den blonden Trapper, der ihm bisher stets entwischt war, der ihm auch die Plünderung der reichen Hazienda im Süden vor einem Monat unmöglich gemacht hatte. (Vergl. Band 9 Die belagerte Hazienda)

Seine Rachgier machte ihn unvorsichtig, ließ ihn auch heute manches übersehen, was ihn hätte warnen sollen. Sein Mustang von bester indianischer Dressur hatte Felsenherz gewittert, blieb stehen, wieherte leise, drehte den Kopf nach links – dorthin, wo der Pfad begann und der Trapper verborgen lag.

Der Große Bär musterte zwar argwöhnisch, aber nur stachlig das weite, mondscheinhelle Kakteenfeld.

Daun drängte er den Gaul weiter vorwärts.

Sehr bald kamen die vier Späher mit dem Oberhäuptling vom Ende der Sackgasse zurückgeritten. Der Große Bär erteilte einige Befehle.

Felsenherz verstand das Wort Fackeln.

Die vier Späher trabten weiter, während der Große Bär an derselben Stelle, wo sein Mustang sich so auffällig benommen hatte, absprang.

Abermals wieherte der Indianergaul warnend. Der Große Bär merkte, dass hier ein Feind in der Nähe sei, spannte die einläufige Flinte und blickte sich nach allen Seiten um.

Felsenherz hielt es für ratsam, eine Strecke zurückzukriechen, damit der Mustang seine Witterung verlöre.

Nach fünfzig Metern etwa blieb er wieder liegen.

Der Oberhäuptling, mit den Eigentümlichkeiten der Llano gut vertraut, hatte bereits gesehen, dass gerade hier, wo sein Pferd so deutliche Zeichen von Unruhe gegeben hatte, eine Menge vertrockneter Kakteenstauden stand.

Er beugte sich herab, betastete die Wurzel der einen Staude, zog sie heraus.

Er spürte dabei, dass sie nur lose in den Sand eingegraben gewesen war.

Er riss eine zweite, dritte Staude heraus.

Felsenherz hatte längst die Gefahr erkannt, hatte sehr wohl bemerkt, dass der Apachenhäuptling nahe daran war, das Geheimnis dieses Verstecks zu entdecken. Hier gab es kein Zaudern, hier durfte der blonde Jäger nicht schonend mit einem Menschenleben umgehen, hier galt es, die Sicherheit der drei Gefährten und des wackeren Mädchens zu bewahren.

Er kroch wieder vorwärts, nahm den Tomahawk in die Rechte.

Der Große Bär hatte soeben wieder zwei Stauden entfernt. Er wusste bereits, dass sie einen Pfad verdeckt haben mussten. Er ahnte, dass die Bleichgesichter dort mitten im Kakteenfeld einen Schlupfwinkel hatten.

Da – eine Gestalt richtete sich kaum drei Meter entfernt jenseits der letzten Kakteen auf, die noch den Zugang markierten.

Das Mondlicht fiel dem blonden Trapper gerade ins Gesicht.

Der Große Bär wollte die Flinte emporreißen. Hass und Mordgier sprühten aus seinen Augen.

Eine blitzartige Armbewegung des schlanken Westmannes.

Ein Tomahawk traf den Apachen mitten vor die Stirn. Mit einem Ächzen fiel der Große Bär sterbend nach vorn über die stachligen Büsche.

Im Nu hatte Felsenherz dann die Leiche geborgen, hatte den Mustang des toten Häuptlings fortgescheucht, hatte die Kakteenstauden wieder an die alte Stelle gebracht und die auffälligen Spiiren im Sand beseitigt.

Schon näherten sich dreißig bis vierzig Apachen zu Fuß mit Fackeln in den Händen.

Sie schritten vorüber, dem Ende der Sackgasse zu.

Felsenherz schleppte den toten Häuptling bis zwischen die Steinblöcke, erkletterte den höchsten, beobachtete, wie drüben die Apachen immer unruhiger den Großen Bären suchten.

Mitternacht war vorüber. Neben Felsenherz lag jetzt auf dem Steinblock noch Robb Trumm. Die Apachen hatten den anderen Pfad entdeckt. Das Licht der Fackeln irrte durch das Kakteenfeld nach Osten zu.

Der Morgen nahte. Abermals ritten Apachenspäher durch die Gasse der Stachelfelder, noch immer nach dem verschwundenen Häuptling forschend. Bis gegen Mittag tauchten stets neue Späher auf.

Dann zog die ganze Apachenabteilung plötzlich fluchtartig ab.

Kaum zehn Minuten später kam ein einzelner Reiter in voller Karriere die Gasse entlanggesprengt, ein Indianer mit wehendem schwarzen Haar, mir reichem Federschmuck, mit offenem, energischem Gesicht.

Einen Rappen ritt er, ein prachtvolles Tier, eines jener edlen Pferde, wie sie nur der Comanchenstamm züchtet.

Und der Reiter war ein Comanche – war Chokariga, der berühmte Häuptling, Chokariga, der Schwarze Panther, der Freund und Bruder des blonden Trappers.

Hinter ihm aber erschienen bald weitere Reiter, gegen zweihundert Krieger, Comanchen, vor denen die Apachen schleunigst geflohen waren.

Felsenherz sprang auf, schwenkte von der Höhe des Steinblocks den breiten Schlapphut, rief Chokarigas Namen.

Gleich darauf standen die beiden berühmten Westmänner vor der Leiche ihres alten Feindes, des Großen Bären.

»Er soll begraben werden, wie es einem tapferen Krieger gebührt«, sagte Chokariga ernst zu Felsenherz.

»Dort drüben in den Bergen werden wir ihn bestatten mit all seinen Waffen, sitzend, das Gesicht der aufgehenden Sonne zugekehrt.«

So geschah es.

Eine Woche später konnte dann der alte Vater Summer sein einziges Kind jubelnd in die Arme schließen, die unter dem Schutz von zweihundert Comanchen und fünf der besten Westläufer ihm zugeführt worden war.

Hiermit endet die Geschichte dieses Abenteuers unseres Helden Felsenherz, der ich den Titel Die beiden Trumms gegeben habe.

Der Leser wird Robb und Josch nochmals begegnen und zwar im folgenden Band, in

Das Vermächtnis des Buschkleppers.


Der gesamte Band steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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