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Marshal Crown Band 30

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Die Skalpjäger – Drei Tage in der Falle

Thomas Mayne Reid
Die Skalpjäger

Zweiter Teil
Zehntes Kapitel

Drei Tage in der Falle

Unsere Aufmerksamkeit wurde jetzt unserer eigenen Lage zugewendet. Vor unseren Geist tauchten plötzlich eine Menge von Gefahren und Schwierigkeiten auf.

Wie, wenn sie hier bleiben sollten, um zu jagen?

Der Gedanke schien uns allen im gleichen Augenblick zu kommen, und wir blickten einander mit besorgter Miene an.

»Es ist wahrscheinlich«, sagte Seguin leise und nachdrücklich. »Offenbar haben sie kein Fleisch bei sich, und wie sollten sie ohne dasselbe nach Süden gehen? Sie müssen hier oder anderswo jagen. Warum nicht hier?«

»Dann sind wir in einer hübschen Falle«, unterbrach ihn ein Jäger, indem er zuerst auf die Mündung der Schlucht und dann auf den Berg deutete. »Wie sollen wir herauskommen? Das möchte ich wissen.«

Unsere Blicke folgten der von dem Sprechenden angedeuteten Richtung.

Vor der Schlucht, worin wir uns befanden, dehnte sich die Linie des Indianerlagers keine hundert Schritte von den um seinen Eingang liegenden Felsen entfernt dahin.

Eine indianische Wache war noch näher, aber es würde unmöglich gewesen sein, selbst wenn sie geschlafen hätte, herauszukommen, ohne den in Menge um das Lager schweifenden Hunden zu begegnen.

Hinter uns stieg der Berg senkrecht wie eine Mauer empor. Er war offenbar unübersteigbar. Wir waren wirklich in der Falle.

»Carrai!«, rief einer von den Leuten, »wir werden verhungern und verdursten, wenn sie zur Jagd dableiben sollten.«

»Wir können noch früher sterben«, erwiderte ein anderer, »wenn sie es sich in den Kopf setzen, in die Schlucht heraufzukommen.«

Dies war möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich. Die Schlucht war eine Art Sack, welche in schiefer Richtung den Berg hinaufging und am Fuß der Klippe endete. Es gab darin keinen Gegenstand, welcher unsere Feinde hätte anziehen können, wenn sie nicht etwa heraufkämen, um Pinienkerne zu suchen. Aber einige von ihren Hunden konnten, um Nahrung zu suchen, heraufkommen.

Dies waren Möglichkeiten, wir erbebten, als sich dies unserem Geist darstellte.

»Wenn sie uns nicht finden«, sagte Seguin aufmunternd, »so können wir ein paar Tage von den Piniennüssen leben. Wenn diese zu Ende sind, so muss eines von unseren Pferden getötet werden. Wie viel Wasser haben wir?«

»Glücklicherweise sind die Kürbisflaschen beinahe voll, Cap’tain.«

»Aber unsere armen Tiere müssen leiden!«

»Wir sind nicht vom Durst bedroht«, sagte El Sol, indem er zu Boden blickte, »solange diese ausdauern.« Und er stieß mit seinem Fuß an eine große aus dem Felsen gewachsene runde Masse. Es war ein Kugelkaktus.

»Seht«, fuhr er fort, »es sind ihrer Hunderte da.«

Alle Anwesenden wussten, was dies zu bedeuten hatte und betrachteten die Kaktuspflanzen mit einem Murmeln der Genugtuung.

»Kameraden«, sagte Seguin, »es nützt nichts, wenn wir uns auch ermüden. Diejenigen, welche es können, mögen schlafen. Ein Mann kann dort Wache halten, während ein anderer hier oben bleibt. Geht, Sanchez!«

Und der Anführer deutete die Schlucht hinab zu einer Stelle, von wo aus man ihre Mündung überblickte.

Der Wächter entfernte sich und nahm schweigend seinen Posten ein. Die Übrigen stiegen hinab und kehrten, nachdem sie nach der Umhüllung ihrer Pferde gesehen hatten, zum Posten des Spähers auf dem Berg zurück.

Hier rollten wir uns in unsere Decken, legten uns unter dem Felsen nieder und schliefen den Rest der Nacht.

 

***

 

Wir waren vor der Morgendämmerung wach und spähten mit eifriger Aufmerksamkeit durch die Pinien hinab.

In dem Indianerlager zeigte sich noch keine Bewegung. Dies war schlimm. Wenn sie beabsichtigten, weiterzugehen, so würden sie schon längst munter sein. Sie waren stets vor Tagesanbruch unterwegs. Diese Zeichen bestärkten unsere Besorgnisse.

Das graue Licht des Morgens begann sich über die Prärie auszubreiten. Am östlichen Himmel wurde ein weißer Streifen sichtbar. Im Lager entstand Geräusch. Wir hörten Stimmen. Dunkle Gestalten bewegten sich unter den aufrechten Speeren umher. Hochgewachsene Wilde schritten über die Ebene. Ihre Fellgewänder waren um ihre Schultern geschlagen, um sie gegen die raue Morgenluft zu schützen. Sie trugen Holz – sie zündeten das Feuer wieder an.

Unsere Leute sprachen im Flüsterton, während wir mit aufmerksamen Augen dalagen und jede Bewegung beobachteten. Es war klar, dass sie hierzubleiben gedachten.

»Ja, wir sind in der Falle, das ist gewiss. Ich möchte wissen, wie lange sie hier bleiben wollen.«

»Wenigstens drei Tage, vielleicht vier bis fünf.«

»Großer Gott, wir werden in der halben Zeit verhungert sein.«

»Was sollen sie so lange hier tun können?«

»Ich bürge dafür, dass sie fortgehen werden, sobald sie können.«

»Das werden sie, aber wie können sie es in weniger Zeit tun?«

»Sie können alles Fleisch, welches sie brauchen, an einem Tag zusammenbringen.«

»Seht, dort gibt es Büffel genug. Schaut dorthin!« Und der Redner deutete auf mehrere schwarze Gegenstände, deren Umrisse am heller werdenden Himmel sichtbar wurden. Es war eine Büffelherde.

»Das ist wahr genug, an einem Tag können sie so viel Fleisch bekommen, wie sie brauchen. Wie sollen sie es aber in weniger als drei Tagen dörren? Das ist, was ich wissen möchte.«

»Es verdad!«, erwiderte einer von den Mexikanern, ein Cibolero, »tres dias al menos (Es ist wahr, wenigstens drei Tage)!«

»Ya hombre! Und dazu müssen sie noch guten Sonnenschein haben.«

Dieses Gespräch wurde von zwei bis drei der Leute in leisem Ton, aber laut genug, dass es die anderen hören konnten, geführt.

Es machte uns mit einem neuen Dilemma, über welches wir bisher noch nicht nachgedacht haben, bekannt. Wenn die Indianer dablieben, um ihr Fleisch zu dörren, so würden wir in der größten Gefahr schweben, an Durst zu leiden und in unserem Versteck entdeckt zu werden.

Wir wussten, dass das Büffelfleisch dörren drei Tage erfordert, wozu noch ein heißer Sonnenschein gehört, wie der Jäger angedeutet hatte. Dies würde uns, in Verbindung mit dem ersten zur Jagd erforderlichen Tag, vier Tage lang in der Schlucht festhalten.

Die Aussicht war entsetzlich. Wir fühlten, dass der Tod oder die äußersten Durstqualen vor uns lagen. Wir hatten keine Furcht vor Hunger. Unsere Pferde waren im Dickicht und unsere Messer in unserem Gürtel. Wir könnten wochenlang von ihnen leben. Würden aber die Kaktuspflanzen den Durst der Männer und der Pferde drei bis vier Tage lang löschen können?

Dies war eine Frage, welche keiner beantworten konnte. Sie hatten oft den Jäger auf eine kurze Periode erquickt und ihn in den Stand gesetzt, zum Wasser zu kriechen, aber tagelang?

Die Prüfung würde bald beginnen. Der Tag war angebrochen, die Indianer sprangen auf. Etwa die Hälfte von ihnen zog die Pflöcke ihrer Pferde heraus und führte sie an das Wasser. Sie legten ihr Zaumwerk auf, zogen ihre Speere aus dem Boden, ergriffen ihren Bogen, hängten ihre Köcher über die Schulter und saßen auf.

Nach einer kurzen Beratung galoppierten sie östlich. Nach einer halben Stunde sahen wir sie die Büffel weit draußen auf der Prärie jagen, sie mit ihren Pfeilen durchbohren und auf ihre langen Lanzen spießen. Die Zurückgebliebenen führten ihre Pferde zu der Quelle hinab und wieder auf das Gras zurück. Jetzt schlugen sie junge Bäume nieder und trugen Holz an das Feuer.

»Seht, sie treiben lange Stangen in den Boden und ziehen Leinen zwischen denselben auf. Zu welchem Zweck? Wir wissen es nur zu gut.«

»Ha, seht dort«, murmelte einer von den Jägern, als dies bemerkt wurde. »Dort werden die Dörrleinen aufgezogen. Jetzt sind wir ernstlich eingefangen.«

»Por todos santos! Es verdad (Bei allen Heiligen, es ist wahr)!«

»Caramba! Carajo! Chingaro!«, grollte der Cibolero, der mit der Bedeutung dieser Stangen und Leinen nur zu vertraut war.

Wir beobachteten die Bewegungen der Indianer mit einem furchtbaren Interesse.

Wir hatten jetzt keinen Zweifel mehr an ihrer Absicht, mehrere Tage lang hierzubleiben. Die Stangen waren bald aufgerichtet und zogen sich mehr als hundert Schritte weit an der Vorderseite des Lagers hin. Die Wilden erwarteten die Rückkehr der Jäger. Einige saßen auf und galoppierten zum Schauplatz der Büffeljagd, welche noch immer weit draußen auf der Ebene betrieben wurde.

Wir spähten durch das Lager, aber mit großer Vorsicht, denn der Tag war hell und die Augen unserer Feinde waren scharf und sahen sich nach jedem Gegenstand um. Wir sprachen nur flüsternd, wenn auch unsere Stimme nicht gehört werden konnte, wenn wir etwas lauter sprachen, aber die Furcht ließ uns glauben, dass sie vielleicht vernommen würde. Wir waren alle bis auf die Augen versteckt. Diese blickten durch kleine Öffnungen im Laub.

Die indianischen Jäger waren etwa zwei Stunden lang abwesend gewesen. Wir sahen sie jetzt in einzelnen Abteilungen über die Prärie zurückkommen. Sie ritten langsam zurück. Ein jeder brachte seine Ladung vor sich auf seinem Pferd. Sie hatten große Massen aus rotem, frisch abgehäutetem und noch dampfendem Fleisch. Einige trugen die Seiten und Schenkel, andere die Feistrippen, die Zunge, das Herz, die Leber; die kleinen Delikatessen in die Haut der getöteten Tiere gehüllt. Sie kamen in dem Lager an und warfen ihre Last auf den Boden. Jetzt begann eine Szene voller Lärm und Verwirrung.

Die Wilden liefen schreiend, schnatternd, lachend und tanzend hin und her. Sie zogen ihre langen Skalpmesser und schnitten große Fleischstücke ab. Sie steckten sie über den lodernden Feuern an Spieße, sie schnitten die Feistrippen aus, sie rissen das weiße Fett ab und stopften damit die Puddings. Sie zerspalteten die braune Leber und verschlangen sie roh, sie zerbrachen die Schenkelknochen mit ihren Tomahawks und gruben das wohlschmeckende Mark heraus, und bei allen diesen Operationen schrien, schnatterten, lachten sie und tanzten im Lager umher wie Tollhäusler.

Diese Szene dauerte länger als eine Stunde.

Frische Jägerabteilungen stiegen auf und ritten weg. Die Zurückgebliebenen zerschnitten das Fleisch in lange schmale Streifen und hängten es über die bereits zu diesem Zweck ausgespannten Leinen. Hier sollte es von der Sonne zu Tasajos gedörrt werden.

Wir kannten einen Teil von dem, was uns bevorstand. Es war eine furchtbare Aussicht, aber Männer wie die, aus welchen die Bande Seguins zusammengesetzt war, verzweifelten nicht, solange ihnen noch der Schatten einer Hoffnung blieb. Das musste eine wüste Stelle sein, wo sie keine Hilfsquelle mehr finden konnten.

»Wir brauchen nicht eher zu schreien, als bis wir verwundet sind«, sagte einer von den Jägern.

»Wenn Ihr einen leeren Magen eine Wunde nennt«, entgegnete ein anderer, »so habe ich bereits eine. Ich könnte einen Esel mit Haut und Haaren verzehren.«

»Kommt, Bursche!«, rief ein Dritter, »wir wollen ein Paar von diesen Piniennüssen suchen.«

Wir folgten seinem Vorschlag und begannen nach den Nüssen der Pinie zu suchen. Wir fanden zu unserm Schrecken, dass nur eine geringe Menge von dieser kostbaren Frucht vorhanden war. Sowohl auf den Bäumen als auch auf dem Boden war nicht genug, um uns zwei Tage lang zu erhalten.

»Bei Gott!«, rief einer, »wir werden um unsere Tiere losen müssen.«

»Nun, und wenn wir das auch müssen, so wird noch Zeit genug dazu sein. Zuerst wollen wir uns eine Weile in die Klauen beißen.«

Das Wasser wurde in einem kleinen Becher verteilt. In den Kürbisflaschen war noch ein wenig zurückgeblieben, aber unsere armen Pferde dursteten.

»Wir wollen für sie sorgen«, sagte Seguin. Er zog sein Messer heraus und begann, eine von den Kaktuspflanzen abzuschneiden. Wir ahmten sein Beispiel nach.

Wir schälten sorgfältig die Haut und die Stacheln ab, eine kühle gummiartige Flüssigkeit schwitzte aus den geöffneten Gefäßen hervor. Wir brachen die kurzen Stängel ab, erhoben die grüne kugelförmige Masse, trugen sie in das Dickicht und legten sie vor unsere Tiere. Diese langten gierig nach den saftigen Pflanzen, zermalmten sie zwischen ihren Zähnen und verschluckten Saft und Fasern zugleich. Es war für sie Speise und Trank.

»Dem Himmel sei Dank! Wir können sie vielleicht noch retten!«

Dies wurde mehrmals wiederholt, bis sie genug hatten.

Wir hatten beständig zwei Späher auf ihren Posten, – den einen auf dem Berg, den anderen am Ende der Schlucht. Die Übrigen gingen durch die Vertiefung zwischen den Abhängen des Bergrückens hin, um Pinienzapfen zu suchen.

Auf diese Weise verging unser erster Tag.

Die indianischen Jäger kamen bis zu einer späten Stunde in ihr Lager und brachten ihre Lasten aus Büffelfleisch mit. Auf der ganzen Strecke loderten Feuer und die Wilden saßen bratend und essend, beinahe die ganze Nacht über um dieselben.

Am folgenden Tag standen sie erst zu einer späten Stunde auf. Es war ein Tag der Trägheit und des Müßiggangs. Das Fleisch hing auf den Leinen und sie konnten nur auf das Dörren warten. Sie schlenderten im Lager umher, besserten ihre Zäume und Lassos aus oder sahen nach ihren Waffen. Sie führten ihre Pferde an das Wasser und pflockten sie auf frischem Boden an. Sie schnitten große Fleischstücke ab und brieten sie über dem Feuer. Hunderte von ihnen waren beständig mit diesem Letzteren beschäftigt. Sie schienen nur fortwährend zu essen.

Auch ihre Hunde hatten zu tun und zeigten einander bei den vom Fleisch entblößten Knochen die Zähne. Sie würden schwerlich ihren Schmaus verlassen. Solange er dauerte, kamen sie nicht in die Schlucht herein. In diesem Gedanken fanden wir einigen Trost.

Die Sonne schien den ganzen Tag über heiß und brannte in der trockenen Schlucht glühend auf uns herab. Sie vermehrte unseren Durst, aber wir bedauerten dies nicht sehr, da wir wussten, dass es die Entfernung der Wilden beschleunigen würde.

Gegen Abend begann der Tasajo braun und verschrumpelt auszusehen. Noch ein solcher Tag und er würde zum Verpacken fertig sein.

Unser Wasser war alle und wir kauten die saftigen Kaktusstücke. Sie linderten unseren Durst etwas, ohne ihn zu stillen.

Unser Hunger wurde stärker. Wir hatten alle Pinienkerne verzehrt und jetzt blieb uns nichts weiter, als eines von unseren Pferden zu schlachten.

»Wir wollen bis Morgen warten«, schlug einer vor. »Gebt den armen Tieren eine Chance. Wer weiß, ob sie nicht am Morgen aufbrechen?«

Dieser Vorschlag fand von allen Seiten Beistimmung. Kein Jäger verliert gern sein Pferd, besonders wenn er draußen auf der Prärie ist.

Der Hunger nagte an unseren Eingeweiden, und so erwarteten wir den dritten Tag.

Der Morgen brach endlich an und wir krochen wie gewöhnlich vorwärts, um die Bewegungen im Lager zu beobachten. Die Wilden schliefen lange, wie gestern, aber sie erhoben sich endlich und begannen, nachdem sie ihren Tieren Wasser gegeben hatten, Fleisch zu braten. Wir sahen die purpurnen Steaks und die saftigen Rippenstücke über dem Feuer dampfen und die saftigen Düfte wurden uns vom Wind zugetragen. Unser Appetit verschärfte sich in einem peinlichen Grad. Wir konnten es nicht länger aushalten. Ein Pferd musste sterben.

Welches würde es treffen? Das Gebirgsgesetz musste bald entscheiden.

Elf weiße Steinchen und ein schwarzes wurden in den Wassereimer geworfen und wir, einer nach dem anderen, mit verbundenen Augen vor denselben geführt. Ich griff mit bebender Hand in das Gefäß. Es war mir, als ob ich um mein eigenes Leben würfelte.

Dem Himmel sei Dank! Mein Moro war gerettet.

Einer von den Mexikanern hat den schwarzen Stein gezogen.

»Das ist ein Stück«, rief ein Jäger. »Gutes festes Mustangfleisch ist jeden Tag besser, als dürrer Stier.«

Das dem Tod geweihte Pferd war tatsächlich ein gut genährtes Tier. Nachdem wir unsere Posten wieder ausgestellt hatten, begaben wir uns in das Dickicht, um es zu schlachten.

Wir gingen mit großer Vorsicht daran. Wir banden es an einen Baum und fesselten seine Vorder- und Hinterfüße, damit es sich nicht bewegte. Wir beabsichtigten, es verbluten zu lassen. Der Cibolero hatte sein langes Messer aus der Scheide gezogen, während ein anderer mit dem Eimer danebenstand, um das köstliche Blut aufzufangen. Einige hatten Becher in ihren Händen und waren bereit, es noch warm zu trinken.

Wir wurden von einem ungewöhnlichen Geräusch erschreckt. Wir blickten durch die Blätter, ein großes graues Tier stand am Rand des Dickichts und schaute zu uns herein. Es sah wolfsähnlich aus, – war es ein Wolf? Nein, es war ein indianischer Hund.

Das Messer wurde von dem Pferd abgewendet, ein jeder zog das seine. Wir näherten uns dem Tier und versuchten, es näher zu locken, aber es vermutete unsere Absicht, stieß ein leises Knurren aus und lief die Schlucht hinab. Wir folgten ihm mit unseren Augen. Der Eigentümer des dem Untergang geweihten Pferdes hielt unten Wache. Der Hund musste an ihm vorüber, um herauszukommen. Er stand mit seiner langen Lanze zu dessen Empfang bereit. Das Tier sah sich abgeschnitten, wendete sich um und lief zurück, drehte sich von Neuem und stürzte verzweifelt auf den Wächter zu, um an ihm vorüberzukommen. Als es sich dem Letzteren näherte, stieß es ein lautes Geheul aus. Im nächsten Augenblick war es auf die Lanze gespießt.

Mehrere von uns eilten den Berg hinauf, um zu sehen, ob das Geheul die Aufmerksamkeit der Wilden erregt hatte. Es war keine ungewöhnliche Bewegung unter ihnen zu erblicken. Sie hatten es nicht gehört.

Der Hund war zerlegt und verschlungen worden, ehe sein zuckendes Fleisch noch Zeit gehabt hatte, kalt zu werden. Das Pferd hatte eine Frist erhalten.

Von Neuem fütterten wir unsere Tiere mit dem kühlenden Kaktus. Dies beschäftigte uns eine Zeit lang. Bei der Rückkehr auf den Hügel bot sich uns ein freudiger Anblick. Wir sahen die Krieger am Feuer sitzen und die Malerei auf ihren Körpern erneuern. Wir wussten, was dies bedeutete.

Der Tasajo war beinahe schwarz – dank der heißen Sonne. Er würde zum Packen fertig sein. Einige von den Indianern waren mit dem Vergiften ihrer Pfeilspitzen beschäftigt.

Alle diese Zeichen flößten uns frischen Mut ein. Sie würden bald marschieren, wenn nicht heute Nacht. Doch Morgen früh mit Tagesanbruch.

Wir wünschten einander Glück und beobachteten jede Bewegung in ihrem Lager. Unsere Hoffnungen begannen zu steigen, je tiefer sich der Tag senkte.

»Ha, es entsteht eine ungewöhnliche Bewegung – es ist ein Befehl erlassen worden.«

»Voilá! Mira! Mira! Schaut! Schaut!« waren die halb geflüsterten Rufe, welche die Jäger hören ließen, während dies merklich wurde.

»So wahr es wilde Katzen im Gebirge gibt, sie brechen auf.«

Wir sahen die Wilden den Tasajo von den Leinen nehmen und zusammenbinden. Hierauf lief ein jeder zu seinem Pferd, die Pflöcke wurden rausgezogen, die Tiere herbeigeführt und mit Wasser versorgt, das Zaumwerk aufgelegt und die Decke über sie geworfen und umgegürtet. Die Krieger zogen ihre Lanzen heraus, warfen ihre Köcher auf den Rücken, nahmen ihre Schilde und Bogen und sprangen leicht auf das Pferd. Im nächsten Augenblicke formierten sie sich mit Gedankenschnelligkeit und ritten in einer langen Linie nach Süden ab.

Die größere Schar war vorüber. Die kleinere – die Navajo – folgte demselben Weg. Nein! Die Letztere hatte plötzlich zur Linken abgeschwenkt und zog in östlicher Richtung, der Quelle des Ojo di Vaca zu, über die Prärie.

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