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Marshal Crown – Band 27

Der Todesengel vom Wichita River

Edward Carter wandte den Kopf und starrte missmutig zur Tür, als sein Hund auf dem Hof erneut zu bellen begann.

»Halt endlich die Schnauze, Dusty!«, brüllte er nach draußen. »Oder ich komm raus und zieh dir das Fell ab.«

Die wüste Drohung schien das Tier jedoch nicht sonderlich zu beeindrucken, denn bereits einen Atemzug später begann der Vierbeiner erneut anzuschlagen.

»Verdammte Scheiße!«, fluchte der große, knochig wirkende Betreiber der Wichita River Overland-Station und klatschte sichtlich verärgert seinen Löffel in den halb vollen Teller mit Bohneneintopf, den er vor sich auf dem Tisch stehen hatte. »Nicht mal in Ruhe fressen kann man hier. Irgendwann mach ich mir aus dem Köter doch noch einen Bettvorleger.«

Bevor ihm jemand antworten konnte, richtete seine Tochter, die neben dem Fenster am Eingang saß und in einem vergilbten Magazin blätterte, den Blick auf ihn.

»Es wird schon seinen Grund haben, wenn er anschlägt. Dusty bellt nie aus Spaß.«

»Dann sieh nach, was da los ist.«

Die junge Frau drehte sich wortlos um, schob den verblichenen Stoff der Gardine zur Seite und starrte auf den Hof.

»Da kommt ein Reiter«, sagte sie, ohne sich umzudrehen.

»Wer ist es?«

»Keine Ahnung, irgendein Fremder. Jedenfalls habe ich ihn noch nie hier in der Gegend gesehen.«

Der Mann schob den Teller mit der Rechten von sich und rülpste ausgiebig.

»Ist er alleine?«, fragte er, während er sich mit der anderen Hand über den Mund wischte.

»Ja, Pa.«

»Gut, dann kümmere dich um ihn, Susan. Mach ihm schöne Augen und wackel mit deinem Arsch, dann wissen wir schnell, ob er der Richtige für uns ist. Hoffentlich springt diesmal mehr bei der Sache heraus. Die letzten beiden waren ja wohl ein Witz. Mann, nicht mal dreißig Dollar …«

Unwillig musterte Edward Carter die restlichen Mitglieder seiner Familie, die sich allesamt mit ihm zusammen in der einfach eingerichteten Überland-Station aufhielten. Hank Carter, sein schwachsinniger Sohn, stand hinter der zerschrammten Ladentheke des kleinen Stores und grinste wie immer dämlich, während Judy, seine Frau, neben ihm an einem gusseisernen Ofen mit Töpfen und Pfannen hantierte.

Verdammte Blase, dachte er ärgerlich, wenn ihr alle zusammen nur so viel Verstand in euren Spatzenhirnen hättet wie meine Tochter im kleinen Finger, dann würde diese lausige Bude schon längst der Vergangenheit angehören. Aber so …

Carter zog die Stirn in Falten, während er seine Blicke umherschweifen ließ.

Das Innere der Hütte bestand nur aus einem einzigen, großen rechteckigen Raum. Mehrere Pferdedecken, die an einem Seil hingen, das quer darin aufgespannt war, teilten ihn in zwei Bereiche. Im vorderen, größeren Teil, gleich hinter der Eingangstür, befanden sich ein einfacher Aufenthaltsraum, ein Store und ein Whiskyausschank, im hinteren Teil die Schlafstellen der Familie.

Das war ihr ganzes Reich, denn was sie mit der Station verdienten, war sprichwörtlich zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben. Aber es gab Hoffnung, seine Tochter hatte zusammen mit ihm eine Art Nebenverdienst erschaffen, der sie mit etwas Glück schon bald ziemlich reich machen konnte. Auch wenn die beiden letzten Coups ziemlich mickrig ausgefallen waren, hatte sich der Rest doch bisher gut angelassen. Sie hatten im letzten halben Jahr bereits mehr auf die Seite gebracht als in den vier Jahren zuvor, in denen sie nur von dem lebten, was die Station abwarf.

»Ich geh dann mal nach hinten und bereite alles vor. Ihr wisst ja, was ihr zu tun habt«, sagte er schließlich. Dabei blieb sein Blick deutlich länger als bei den anderen auf seiner Tochter ruhen. Aufmunternd nickte er ihr zu.

»Ich hoffe doch, ich kann mich wieder auf mein Mädchen verlassen?«

Susan Carter bejahte die Frage ihres Vaters und verzog die Mundwinkel zu einem kalten Lächeln.

Inzwischen war draußen zu hören, wie der Reiter aus dem Sattel stieg und die Zügel um den Haltebalken schlang. Als seine Stiefeltritte auf dem hölzernen Vorbau erklangen, verschwand Edward Carter hinter der Trennwand aus Decken.

Keine Sekunde später ging die Tür auf und der Novemberwind wehte zusammen mit einem Schwall eiskalter Luft einen untersetzten, stämmig wirkenden Mann in den Aufenthaltsraum.

Schnaubend riss er sich die nasse Pelzkappe vom Kopf, schüttelte sich und knöpfte anschließend seine dicke Schaffelljacke auf.

»Was für ein Sauwetter«, sagte er, während er damit begann, sich mit der Kappe den Schnee aus den Kleidern zu klopfen.

Als der Mann bemerkte, dass alle Blicke der im Raum anwesenden Personen sich inzwischen auf ihn gerichtet hatten, ließ er die Kappe augenblicklich wieder sinken.

»Hallo Leute, entschuldigt bitte meine schlechten Manieren, aber ich habe mich in den letzten Tagen nur mit Schneehühnern und halb verhungerten Wölfen unterhalten, also sorry, dass ich mich noch nicht vorgestellt habe. Ihr glaubt gar nicht, wie das guttut, endlich mal wieder unter Menschen zu sein.«

»Oh doch. Jeder, der hier draußen einen Winter mitgemacht hat, weiß das nur zu gut«, antwortete Susan und kam auf ihn zu. »Herzlich willkommen auf der Überland-Station der Familie Carter«, sagte sie mit einem zuckersüßen Lächeln und zeigte auf den Tisch. »Aber jetzt genug geredet, nehmen Sie doch Platz. Was kann ich für Sie tun?«

Der Klang der lieblichen Stimme ließ den Mann aufhorchen. Er hob den Kopf und hielt mitten in der Bewegung inne. Susans Anblick traf ihn wie ein Blitzstrahl.

Heavens, durchzuckte es ihn, das ist keine Frau, das ist ein Engel.

»Das … das kommt darauf an, was Sie mir bieten können«, stotterte er verlegen, während er die Frau immer noch ungläubig musterte.

Sie trug ein einfaches, graues Leinenkleid mit einer weißen Bluse darunter. Trotz aller Schlichtheit betonte das Kleid ihre wohlgeformten weiblichen Rundungen derart gekonnt, dass der Mann spüren konnte, wie sein Mund immer trockener wurde.

Zufrieden registrierte Susan, dass sich die Haltung des Mannes inzwischen merklich gestrafft hatte und er sich gleichzeitig bemühte, sein schönstes Sonntagslächeln aufzusetzen.

Er hängt bereits am Haken, dachte sie mit Genugtuung, bevor sie ihm antwortete.

»Nun, Sie können hier etwas essen, einen Whisky trinken oder frischen Proviant kaufen. Unser Store bietet eine große Auswahl an Konserven, Kaffee und Tabak. Sie können sich aber auch«, und bei diesen Worten zwinkerte sie dem Mann beinahe verschwörerisch zu, »Ihre Zukunft voraussagen lassen. Ich kann sogar fast jede Art von Krankheit heilen, selbst Gallensteine, Wundfieber oder Nervenschmerzen. Wenn Sie mir nicht glauben, kann ich Ihnen hierzu gerne einige wohlwollende Artikel der örtlichen Presse zeigen. Ach ja, mein Name ist übrigens Susan, Susan Carter, und wie heißen Sie?«

»David Wilson«, murmelte der Fremde, der sich langsam darüber bewusst wurde, dass er die Frau seit dem Betreten der Station unverwandt anstarrte.

Trotzdem gelang es ihm immer noch nicht, endlich seinen Blick von ihr zu nehmen.

Sein Glück wurde beinahe vollkommen, als sich die Frau bei ihm unterhakte und ihn lächelnd aber bestimmend zum Tisch des Aufenthaltsraums führte, der unmittelbar vor einigen aufgehängten Pferdedecken stand.

Obwohl sich Wilson eigentlich nur bei einer Tasse Kaffee kurz aufwärmen wollte, ließ er es widerstandslos zu, dass Susan ihn an den Tisch begleitete und er etwas zum Essen und Trinken bestellte.

Aber wer konnte schon solch einem Engel widerstehen?


Die vollständige Story steht als PDF, EPUB, MOBI und AZW3 zur Verfügung.

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