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Interessante Abenteuer unter den Indianern 44

Interessante-Abenteuer-unter-den-IndianernJohn Frost
Interessante Abenteuer unter den Indianern
Erzählungen der merkwürdigsten Begebenheiten in den ersten indianischen Kriegen sowie auch Ereignisse während der neueren indianischen Feindseligkeiten in Mexiko und Texas

McDougal und der Indianer

Vor mehreren Jahren wanderte ein Schotte mit seiner Frau nach Amerika aus. Da er nur wenig Geld besaß, so kaufte er sich Land, welches zu jener Zeit beinahe nichts kostete. Es lag in einer nur spärlich angebauten Gegend, am äußersten Rand des schon zivilisierten Landes.

Seine erste Sorge war, ein Haus zu bauen und die Bäume zu fällen, welche den Platz umgaben. Nachdem er dies getan hatte, verwandte er seine ganze Zeit darauf, einen Garten anzulegen und etwas Land zu kultivieren. Durch unausgesetzte Tätigkeit und gelegentliche Hilfe der älteren Ansiedler gelang es ihm, sich allmählich eine kleine Herde von Kühen, Schafen und Schweinen anzuschaffen, und bald befand er sich in einer gemütlichen Unabhängigkeit. Das einzige Unangenehme in seiner Lage war die allzugroße Entfernung von seinen Nachbarn, der Kirche, dem Markt und sogar der Mühle, und mehr noch als alles dies die Trennung von allen seinen Freunden. Diese Entbehrungen würde er noch weit mehr empfunden haben, wenn seine Tätigkeit vom Morgen bis Abend die Zeit ihm nicht verkürzt hätte.

Eines Tages, als unser McDougal eine Menge Korn zu mahlen hatte und der Weg nach der Mühle ziemlich weit und überdies auch keiner der angenehmsten war, so beschloss er schon am Morgen bei Sonnenaufgang aufzubrechen, um noch vor Abend zu Hause zu sein.

Wenn McDougal zu Hause war, so trieb er morgens und abends seine Kühe zum Melken nach Hause. Doch diese Pflicht lag jetzt der Frau ob, und die tüchtige Hausfrau ging aus, um die Kühe zu suchen. Da sie nicht gewohnt war, weit vom Haus zu gehen, so fand sie sich bald in einer unbekannten Gegend, und weder einen Taschenkompass bei sich habend noch auf eingekerbte Bäume achtend, nach denen sie sich hätte richten können, irrte sie lange umher, ohne ihren Zweck zu erreichen.

Hohe Bäume umgaben sie von allen Seiten und in der Ferne sah sie blaue Hügel einer hinter dem andern emporsteigen. Kein Kirchturm oder Schornstein einer Hütte war zu sehen, um sie auf ihrem einsamen Pfad zu ermutigen.

Endlich von dem Suchen ganz ermüdet und die Hoffnung aufgebend, das Vieh zu finden, beschloss sie, ihre Schritte heimwärts zu lenken, solange es noch hell war.

Doch dieser Entschluss war schneller gefasst, als ausgeführt. Sie wurde immer mehr verwirrt und wusste nicht, wohin sie sich wenden sollte, bis sie zuletzt ermattet, mit Tränen in ihren Augen, auf die Erde hinsank. Ihre unglückliche, hilflose Lage brachte sie fast zur Verzweiflung. Sie hatte noch nicht lange so gelegen, als sie durch das Geräusch von sich nähernden Fußtritten aufgeschreckt wurde, und, aufblickend, einen indianischen Jäger vor sich stehen sah. Obwohl Frau MeDougal wusste, dass Indianer in der Umgegend wohnten, so hatte sie doch noch nie einen solchen gesehen, und ihre Furcht war deshalb sehr groß. Der Indianer kannte sie jedoch. Er hatte sie schon zuvor gesehen, wusste, wo sie wohnte und vermutete die Ursache ihres Kummers. Er sprach nur wenige Worte Englisch, aber er forderte sie auf, ihm zu folgen. Sie gehorchte, und nachdem sie eine kurze Strecke zurückgelegt hatten, kamen sie zum Eingang eines indianischen Wigwams. Er lud sie ein, einzutreten. Doch da er sie nicht dazu überreden konnte, so ging er in den Wigwam hinein und sprach ein paar Worte mit seiner Frau, die sofort herauskam und durch ihr freundliches Benehmen die Fremde überredete, in ihre bescheidene Wohnung einzutreten. Sie bereitete Wildbret für das Abendbrot, und Frau McDougal, obwohl noch immer nicht beruhigt, konnte es nicht ablehnen, an dem schmackhaften Mahl teilzunehmen.

Da die Indianer sahen, dass ihr Gast müde war, so nahmen sie von einem Platz nahe dem Dach zwei schöne Hirschfelle. Indem sie dieselben ausspannten und befestigten, teilten sie den Wigwam in zwei Gemächer. Matten wurden in beiden ausgebreitet und man gab der Fremden zu verstehen, dass die eine Abteilung für sie bestimmt sei. Doch hier verließ ihr Mut sie wieder. Die dringendsten Vorstellungen vermochten es nicht, sie zum Niederlegen zu bewegen. Sie sagte, sie zöge es vor, zu sitzen und vor dem Feuer zu schlafen. Dieser Entschluss schien den Indianer und seiner Frau ernsthaft in Verlegenheit zu setzen. Sie sahen sich einander an und unterhielten sich leise in ihrer Sprache. Das Resultat dieser Unterhaltung war, dass die Squaw ihren Gast bei der Hand nahm, sie zu ihrer eigenen Lagerstätte führte und sich an ihrer Seite niederlegte. Am Morgen erwachte sie sehr gestärkt und ungeduldig, ihre Rückreise anzutreten, doch ihre neuen Freunde wollten dies nicht zugeben, bis sie zuvor ihr Wildbret und Maiskuchen gekostet hatte. Nach Beendigung des Frühstücks begleitete der Indianer seinen Gast und führte sie zu dem Platz, wo die Kühe weideten. Er trieb diese bis an den Rand des Gehölzes, von wo aus Frau McDougal ihren Mann erblickte und ihm zurief. Er war erfreut, sie wiederzusehen, da ihre Abwesenheit vom Haus ihm große Unruhe verursacht hatte. Sie luden ihren indianischen Wohltäter ein, mit ihnen in das Haus zu treten und gaben bei seiner Abreise ihm Kleidung.

Drei Tage darauf kam er wieder zurück und bemühte sich teils durch Zeichen, teils in gebrochenem Englisch, Farmer MeDougal zu überreden, ihm in den Wald zu folgen; doch dieser weigerte sich. Zeit war für ihn, der für jegliches, das er besaß, schwer arbeiten musste, höchst kostbar, und der Indianer wiederholte seine Aufforderungen vergebens. Der arme Kerl sah ganz niedergeschlagen und enttäuscht aus, doch einen Augenblick später schien ihn ein neuer Gedanke zu beseelen. Er ersann einen Ausweg, woran niemand als ein indianischer Jäger gedacht haben würde. Herr McDougal hatte ein kleines Kind, welches dem scharfen Auge des Indianers nicht entgangen war. Da er fand, dass alle seine angewandte Beredsamkeit bei den Eltern fruchtlos blieb, so stürzte er sich auf die Wiege zu, ergriff das Kind und entsprang mit der Schnelle einer Antilope aus dem Haus. Der Vater und die Mutter folgten ihm augenblicklich, bittend, das Kind zurückzugeben. Der Indianer hatte jedoch einen anderen Plan. Er führte sie so bald langsamer, bald geschwinder, sich zuweilen gegen sie umdrehend, lachend und ihnen das Kind entgegen haltend. Es ist nutzlos, all die Einzelheiten dieser sonderbaren Reise zu erzählen. Es genügt zu erwähnen, dass statt sie zu seinem Wigwam zu führen, wie sie erwartet hatten, er zuletzt an dem Rand einer schönen, mit üppiger Vegetation bedeckter Ebene, die sich mehrere Tausend Acker weit ausdehnte, haltmachte. In demselben Augenblick war das Kind seinen Eltern wieder gegeben, die das sonderbare Benehmen des Indianers nicht begreifen konnten.

Der Indianer hingegen war über den Erfolg seines Manövers hoch erfreut, und wohl nie hat ein menschliches Wesen auf eine solche sonderbare Weise und in solch tollen Sprüngen seinen freudigen Gefühlen Luft gemacht. Wir haben von einem Professor der Zeichensprache gehört, sollte eine solche Person verlangt werden, so würde die Wahl nicht schwer werden, solange noch einige von den nordamerikanischen Indianern existieren. Alle Reisenden stimmen darin überein, dass ihre Gesten höchst würdevoll und der Ausdruck ihres Gesichts sehr intelligent ist. Auf McDougals Autorität hin dürfen wir behaupten, dass der Held seiner Erzählung ein vollkommener Meister in der Kunst der Beredsamkeit war. Sein gebrochenes Englisch lautete ungefähr wie folgt:

»Ihr glaubt Indianer verräterisch. Ihr denkt, er wünscht Euer Kind zu stehlen. Nein, nein, Indianer hat sein eigen Kind. Indianer kannte Euch schon lange, sah Euch, wenn Ihr ihn nicht sahet, sah Euch als ein schwer arbeitender Mann. Ihr seid nicht schlecht. Manche Weiße schlecht und tun dem Indianer Leid an. Ihr arbeitet schwer für Eure Frau und Kind, aber Ihr habt einen schlechten Platz gewählt. Ihr werdet da nie reich machen. Indianer sah Euer Vieh weit im Wald. Dachte, Ihr würdet kommen und es holen, Ihr kamt nicht. Eure Frau kam. Indianer fand sie müde und schwach. Nahm sie zu Hause. Frau bange hineinzugehen. Denkt Indianer tötet sie. Nein, nein, Indianer führt sie zurück. Findet Euch sehr traurig. Dann sehr vergnügt, sie wiederzusehen. Ihr gut zu Indianern. Gebt ihm Fleisch und zu trinken, und bessere Kleider als die Euren. Indianer dankbar. Wünscht Euch, hierher zu kommen. Kommt nicht. Indianer sehr betrübt. Nimmt das Kind, weiß, Ihr folgt Kind. Wenn Indianer Land baute, Indianer baute Land hier. Guter Grund, nicht viele Bäume, machen einen Weg in weniger als einem halben Monat. Indianer helfen Euch. Indianer Eure Freunde. Kommt wohnt hier.«

McDougal sah augenblicklich den Vorteil, der ihm aus solcher Beränderung erwachsen würde. Den Rat des Indianers beherzigend, stellte er bald einen Tag zum Transport seines Blockhauses mit seinen übrigen Sachen und Gütern fest. Der Indianer, seinem Versprechen getreu, brachte eine Anzahl seiner roten Brüder, welche ihn bei einer der romantischsten Wohnungsveränderungen, welche je in der alten oder neuen Welt stattgefunden haben, Hilfe leisteten. In einigen Tagen hatten sie ein sehr bequemes Blockhaus errichtet und einen Garten in dem schönsten und fruchtbarsten Teil der Prärie angelegt. Die Indianer führen fort, sich freundlich und treu zu zeigen, und das gute Verhältnis zwischen ihnen und den weißen Ansiedlern war eine Ouelle vieler Annehmlichkeiten für beide Teile

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