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Der Raubritter von Laach

Vom frischen Quell
Sagen, Legenden undGeschichten aus der Eifel
Jung und Alt in neuer Fassung dargeboten von Rektor Jos. Schiffels
Verlag Georg Fischer. Wittlich. 1912
Erstes Bändchen

Der Raubritter von Laach

Unweit des Laacher Sees hatte ein Raubritter sein Schloss. Lange Zeit der Schrecken der ganzen Gegend war er jeglichen menschlichen Gefühls bar und trieb mit allem, was dem Menschen heilig sein soll, frevelhaften Spott. Die Tugend verachtete er höhnend, die Religion, die Kirche und ihre Diener beschimpfte er. Kirchen und Klöster zu berauben und zu verheeren, zu plündern und zu brennen, war seine höchste Lust. Namentlich suchte er das benachbarte Kloster Laach mit seinen Raubzügen heim. Vergeblich waren die eindringlichen Vorstellungen des Abtes, nutzlos die über ihn verhängte Strafe des Kirchenbannes. Immer mehr verhärtete sich sein böses Herz, das auf Verderben sann und sämtliche Mönche des von ihm gehassten Klosters dem sicheren Tod weihen wollte. Um seinen schwarzen Plan auszuführen, stellte er sich einmal, als sei er schwer krank. Er bat den Abt von Maria Laach samt den Mönchen zu sich, damit sie ihm in seiner Sterbestunde beistehen möchten. Er erklärte sich bereit, sich vor seinem Ende mit Gott zu versöhnen. Mit großer Freude vernahmen die Mönche diesen Entschluss des allgemein gefürchteten Mannes. Sie säumten nicht lange, sondern fuhren alsbald mit Schlitten über den zugefrorenen See.

Da kam ihnen ein Diener von der Burg entgegen und rief voll Besorgnis: »Kehrt um und flieht, wenn euch euer Leben lieb ist, denn des Ritters Reue und Sehnen ist nichts als Trug und List. Er will in seinem Grimm euch alle morden lassen.«

Kaum hatte der Diener seine warnende Rede beendet, als der mordgierige Ritter mit seinen Spießgesellen heranstürmte, um die erschreckten Mönche zu erschlagen. Noch fanden diese aber Zeit, sich rasch zur Flucht zu wenden und mit ihren Schlitten dem Ufer zuzueilen. Die Verfolger waren ihnen auf den Fersen. Schon wollte der grausame Ritter sein Schwert auf des Abtes Haupt niedersausen lassen, als die Schlitten der in höchster Gefahr schwebenden Mönche das Land erreichten. Hinter den Schlitten brach die Eisdecke, die ihnen als Brücke gedient hatte, und die rohen Verfolger versanken mit ihren Pferden in die unergründliche Tiefe.

Versunken sind die Reiter, bevor ihr Schwert noch schlug, und aus der Tiefe heulet des sterbenden Ritters Fluch.

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