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Die Trapper in Arkansas – Band 1.10

Gustave Aimard (Olivier Gloux)
Die Trapper in Arkansas Band 1
Erster Teil – Treuherz
Kapitel 6 – Der Retter

Um dem Leser die Lage unserer zwei Jäger recht anschaulich zu machen, sehen wir uns genötigt, zu dem Häuptling der Comanchen zurückzukehren.

Kaum hatte Adlerkopf seine Feinde unter den Bäumen verschwinden sehen, als er behutsam aufstand, sich vorbeugte und horchte, um sicher zu sein, dass sie sich wirklich entfernt hätten. Sobald er sich darüber Gewissheit verschafft hatte, riss er ein Stück seiner Decke ab, mit welchem er den verwundeten Arm so gut wie möglich verband. Trotz seiner durch den Blutverlust verursachten Schwäche und der heftigen Schmerzen, welche er empfand, folgte er entschlossen der Spur der Jäger.

Er folgte ihnen ungesehen bis an die Grenze des Lagers. Dort war er, hinter einem Ebenholzbaum versteckt, Zeuge der von den Jägern angestellten Nachforschungen nach ihren Fallen, so wie er, kochend vor Wut, doch ohne es verhindern zu können, zusehen musste, wie sie sich mit ihrem Eigentum, nach dem sie es gefunden hatten, wieder entfernten.

Obgleich die Hunde, welche die Jäger bei sich hatten, ausgezeichnete Tiere und darauf abgerichtet waren, die Indianer schon in weiter Entfernung zu wittern, so musste es sich doch zufällig treffen, dass sie sich gierig über die verstreuten Reste der Mahlzeit der Rothäute herstürzten und ihre Herren auch nicht daran dachten, sie zur Wachsamkeit anzuhalten, wodurch wahrscheinlich das Leben des Häuptlings der Comanchen gerettet wurde.

Die Comanchen kehrten endlich, als es ihnen nach unendlichen Schwierigkeiten gelungen war, ihre Pferde wieder zu finden, in ihr Lager zurück.

Sie waren eben so erstaunt als entrüstet, als sie ihren Anführer verwundet fanden, und Adlerkopf benutzte diese Stimmung, um sie von Neuem zur Verfolgung der Jäger anzutreiben, welche durch die Fallen, die sie trugen, aufgehalten, nicht weit entfernt sein konnten und unfehlbar bald in ihre Hände fallen mussten.

Sie waren nur kurze Zeit durch die List von Treuherz getäuscht worden und hatten sehr bald auf den ersten Bäumen des Waldes die Spuren der Gegenwart ihrer Feinde entdeckt.

Dort war es, wo Adlerkopf der sich schämte, von zwei entschlossenen Männern, deren größere List alle seine Berechnungen täuschte, in Schach gehalten worden zu sein, beschloss, sie ein für alle Mal zu vernichten und den teuflischen Einfall, den Wald in Brand zu stecken, zur Ausführung brachte. Auf diesem Weg hoffte er, seine gefährlichen Feinde mit Gewissheit in seine Hände zu bekommen.

Er ließ daher seine Krieger in verschiedene Richtungen auseinandergehen, bis sie einen großen Kreis bildeten, worauf er das hohe Gras an mehren Stellen zugleich in Brand zu stecken befahl.

Der Einfall war, obgleich grausam und der wilden Krieger, die ihn ausführten, ganz würdig, doch gut. Die Jäger würden sich, nachdem sie sich vergeblich bemüht hatten, aus dem Feuernetz, welches sie umgab, zu entkommen, wider ihren Willen genötigt sehen, sich ihren wilden Feinden zu ergeben, wenn sie nicht lebendig verbrennen wollten.

Adlerkopf hatte alles berechnet, alles bedacht, außer den einfachsten und leichtesten Ausweg, der zugleich die einzige Rettung bot, welche Treuherz übrig blieb. Wie schon erwähnt, hatten sich die Krieger verstreut und an mehreren Orten zugleich Feuer gelegt. In der vorgerückten Jahreszeit, wo die Pflanzen und Gräser von den glühenden Strahlen der Sommersonne verdorrt sind und sich augenblicklich entzünden, hatte sich das Feuer in alle Richtungen und mit reißender Schnelligkeit verbreitet.

Doch nicht schnell genug, um nicht einige Zeit zu brauchen, ehe es zusammenfloss.

Treuherz hatte nicht lange überlegt. Während die Indianer wie Teufel die flammende Mauer, welche sie um ihre Feinde gezogen hatten, mit Jubelgeschrei umkreisten, hatte sich der Jäger, von seinem Freund gefolgt, in vollem Lauf zwischen zwei Feuerwände geworfen, welche rechts und links zischend auf ihn loskamen und sich zugleich unter seinen Füßen und über seinem Kopf zu vereinigen drohten. Die kühnen Abenteurer hatten mitten unter verkohlten Bäumen, welche krachend umstürzten, von dichten Rauchwolken umgeben, die sie zu ersticken drohten und beinahe blind machten, unter einem feurigen Regen von sprühenden Funken, die von allen Seiten auf sie herabfielen, den unheilvollen Ort verlassen, in welchem die Indianer sie für ewig begraben glaubten, und waren, von nur leichten Brandwunden getroffen, schon weit entfernt, als diese sich noch über das Gelingen ihrer List Glück wünschten.

Indessen stieg das Feuer zu einer gewaltigen Höhe, und der Wald wand sich unter der glühenden Umarmung. Die Prärie war ein Flammenmeer, in dessen Mitte die wilden Tiere, welche die Katastrophe aus ihren Verstecken vertrieben, toll vor Schrecken umherliefen.

Der Himmel färbte sich blutig rot und ein heftiger Sturm jagte die Flammen und den Rauch vor sich her.

Die Indianer waren selbst über ihr Werk erschrocken, als sie ganze Berge, wie unheimliche Leuchttürme um sich her flammen sahen, die Erde glühen fühlten und das wilde Gebrüll der Verzweiflung vernahmen, welches ungeheure Herden von Büffeln, unter deren rasender Flucht der Boden erzitterte, ausstießen, und welches die tapfersten Männer mit Schrecken erfüllte.

Im Lager der Mexikaner war alles in größter Verwirrung. Der Lärm und die Unordnung waren fürchterlich, die Pferde hatten ihre Fesseln zerrissen und jagten in alle Richtungen davon, die Männer griffen nach ihren Waffen und ihrer Munition, wieder andere schleppten Ballen und Sättel davon. Jeder schrie, fluchte, gab Befehle, alle liefen im Lager umher, wie von Schwindel erfasst.

Das Feuer rückte majestätisch heran, verschlang alles auf seinem Weg und jagte eine unabsehbare Menge von Tieren aller Art vor sich her, welche von dem Element auf jedem Schritt erreicht mit schrecklichem Geheul davonsprangen.

Schon lag dicker Rauch, aus welchem Funken sprühten, über dem Lager der Mexikaner, noch zwanzig Minuten, und sie waren verloren.

Der General hielt seine Nichte in den Armen und befragte die Führer vergeblich um ein Mittel, der drohenden Gefahr zu entgehen.

Aber die Männer hatten, von der Nähe der Gefahr entsetzt, alle Geistesgegenwart verloren.

Was sollte man auch für ein Mittel ergreifen? Die Flammen bildeten einen ungeheuren Kreis, in dessen Mitte sich das Lager befand.

Indessen hatte sich der heftige Wind, der bis dahin das Feuer anfachte und beflügelte, plötzlich gelegt.

Die Luft war unbeweglich.

Der Fortschritt des Feuers wurde aufgehalten.

Die Vorsehung gönnte den Unglücklichen noch einige Minuten Frist.

In diesem Augenblick bot das Lager einen seltsamen Anblick.

Diese vom Schrecken überwältigten Männer hatten sogar den Instinkt der Selbsterhaltung verloren.

Die Lanceros beichteten einander gegenseitig.

Die Führer waren in finstere Verzweiflung versunken.

Der General klagte den Himmel wegen seines Unglücks an.

Der Doktor bedauerte nur, dass er nun die Pflanze nicht würde entdecken können. Jede andere Rücksicht musste vor dieser einen weichen.

Donna Luz kniete mit gefalteten Händen auf der Erde und betete inbrünstig.

Das Feuer kam mit seinem Vortrab von wilden Tieren immer näher.

»Ach!«, rief der General und schüttelte den Arm des Führers heftig, »willst du uns denn verbrennen lassen, ohne einen Versuch zu machen, uns zu retten?«

»Was können wir gegen Gott tun?«, antwortete Schwätzer gleichmütig.

»Gibt es denn kein Mittel, uns vor dem Tod zu schützen?«

»Keines.«

»Es gibt eins!«, rief ein Mann, der mit halb verbranntem Haar und Gesicht in das Lager stürzte, indem er von einem anderen gefolgt über die Ballen kletterte.

»Wer sind Sie?«, rief der General aus.

»Gleichviel«, antwortete der Fremde trocken, »ich komme, Sie zu retten! Mein Gefährte und ich waren in Sicherheit. Wir haben uns unsäglichen Gefahren ausgesetzt, um Sie zu retten, das sei Ihnen genug. Ihr Heil ist in Ihren Händen, Sie müssen nur wollen.«

»Befehlen Sie«, antwortete der General, »ich werde der Erste sein, der das Beispiel des Gehorsams gibt.«

»Sie haben wohl keine Führer bei sich?«

»Ja wohl!«, erwiderte der General.

»Dann sind es Verräter ober Memmen, denn das Mittel, welches ich anwenden werde, ist allen in der Prärie bekannt.«

Der General warf Schwätzer, der bei der unerwarteten Ankunft der beiden Unbekannten unwillkürlich zusammengeschreckt war, einen misstrauischen Blick zu.

»Dies ist übrigens«, fuhr der Jäger fort, »eine Sache, die Sie später mit ihnen ausmachen können, jetzt handelt es sich nicht darum.«

Die Mexikaner hatten beim Anblick dieses entschlossenen Mannes mit der kurzen, bestimmten Rede instinktmäßig geahnt, dass ein Retter nahe. Ihr Mut war mit der Hoffnung zurückgekehrt, und sie waren bereitwillig, seinen Befehlen schnell zu gehorchen.

»Beeilt euch«, sagte der Jäger, »alles Gras, welches das Lager umgibt, auszureißen.«

Ein jeder ging ans Werk.

»Wir«, fuhr der Fremde, zum General gewendet, fort, »wollen nasse Decken nehmen und sie vor den Ballen ausbreiten.«

Der General, der Doktor und der Kapitän führten, vom Jäger geleitet, aus, was er angeordnet hatte, während sein Gefährte die Pferde und Maultiere mit dem Lasso einfing, und sie in der Mitte des Lagers fesselte.

»Beeilt euch! Beeilt euch!«, rief der Jäger beständig, »das Feuer erreicht uns!«

Alle arbeiteten mit verdoppeltem Eifer.

Bald war eine große Fläche Gras beseitigt worden. Donna Luz betrachtete mit Bewunderung den seltsamen Mann, der auf wunderbare Weise plötzlich erschienen war und inmitten der grässlichen Gefahr, in welcher sie sich befanden, so ruhig und gefasst aussah, als ob er die Macht besäße, dem fürchterlichen Element zu gebieten, welches mit Riesenschritten auf sie eindrang.

Das junge Mädchen konnte die Blicke nicht von ihm wenden. Unwillkürlich fühlte sie sich zu dem unbekannten Retter hingezogen, dessen Stimme, Bewegungen, ganze Erscheinung überhaupt sie überwältigte.

Als die Pflanzen und das Gras mit der fieberhaften Hast ausgerissen waren, welche Menschen, die sich in Lebensgefahr befinden, in allem zeigen, was sie tun, lächelte der Jäger sanft.

»Nun«, sagte er zu den Mexikanern gewendet, »das Übrige ist die Sache meines Freundes und die meine, überlasst es uns. Ihr wickelt euch sorgfältig in nasse Decken.«

Alle folgten seinem Rat.

Der Fremde warf einen Blick um sich, dann schritt er, nachdem er seinem Gefährten ein Zeichen gegeben hatte, dem Feuer entgegen.

»Ich verlasse Sie nicht«, sagte der General teilnehmend.

»Kommen Sie«, antwortete der Fremde kurz.

Als sie die Grenze des Platzes erreichten, wo das Gras ausgerissen worden war, schob der Jäger mit dem Fuß einen Haufen Pflanzen und dürres Holz zusammen, streute ein wenig Pulver darauf und zündete es an.

»Was machen Sie da?«, rief der General entsetzt.

»Ich bekämpfe, wie Sie sehen, das Feuer mit Feuer«, antwortete der Jäger einfach.

Sein Gefährte hatte in entgegengesetzter Richtung dasselbe getan.

Ein Flammenmeer erhob sich bald darauf, und während einiger Minuten war das Lager fast ganz von den zusammenschlagenden Flammen überwölbt.

Es folgte eine Viertelstunde furchtbarer Angst und gespannter Erwartung.

Nach und nach sank die Glut, die Luft wurde reiner, der Rauch verlor sich, das Tosen der Feuersbrunst wurde schwächer.

Endlich konnte man das fürchterliche Chaos überblicken.

Ein Seufzer der Erlösung entrang sich jeder Brust.

Das Lager war gerettet.

Das Toben der Feuersbrunst wurde immer schwächer, und sie wendete, von dem Jäger besiegt, ihren verheerenden Lauf in eine andere Richtung.

Jeder eilte auf den Fremden zu, um ihm zu danken.

»Sie haben das Leben meiner Nichte gerettet«, sagte der General mit Wärme, »wie soll ich Ihnen jemals lohnen?«

»Sie sind mir nichts schuldig, Herr«, antwortete der Jäger mit edler Einfachheit, »in der Prärie sind alle Menschen Brüder, ich habe nur meine Pflicht getan, als ich Ihnen zu Hilfe eilte.«

Als der erste Jubel vorüber und wieder etwas Ordnung im Lager eingetreten war, suchte jeder die Ruhe, welche nach der fürchterlichen Aufregung der Nacht ein dringendes Bedürfnis geworden war.

Die beiden Fremdlinge, welche die Freundschaftsbezeugungen, die ihnen der General in seinem Entzücken entgegenbrachte, fortwährend bescheiden, aber entschieden abgelehnt hatten, warfen sich nachlässig auf die Ballen, um einige Stunden zu ruhen.

Kurz vor Sonnenaufgang standen sie auf.

»Der Boden muh ausgekühlt sein«, sagte der Eine, »lass uns aufbrechen, ehe diese Leute aufwachen, sonst würden sie uns vielleicht nicht so fortlassen.«

»Gehen wir«, sagte der andere kurz.

In dem Augenblick, als sie die Grenze des Lagers überschritten hatten, legte sich eine leichte Hand auf die Schulter des Ersten, er wandte sich um.

Donna Luz stand vor ihm.

Beide Männer blieben stehen und grüßten das junge Mädchen ehrfurchtsvoll.

»Sie verlassen uns«, sagte sie mit sanfter melodischer Stimme.

»Wir müssen, Señorita«, antwortete einer der Jäger.

»Ich verstehe«, sagte sie mit einem reizenden Lächeln, »nun, da Sie uns gerettet haben, haben Sie hier nichts mehr zu tun, nicht wahr?«

Die Männer verneigten sich, ohne zu antworten.

»Gewähren Sie mir eine Bitte«, sagte sie.

»Reden Sie, Señora.«

Sie nahm ein kleines Diamantkreuz von ihrem Hals.

»Nehmen Sie dies, zu meinem Andenken.«

Der Jäger zögerte.

»Ich bitte Sie darum«, murmelte sie mit bewegter Stimme.

»Ich nehme es an, Señora«, sagte der Jäger gerührt und hing das Kreuz neben sein Skapulier auf die Brust, »ich füge diesen zweiten Talisman zu dem ersten, den ich von meiner Mutter habe.«

»Danke«, sagte das junge Mädchen freudig, »und nun noch ein Wort!«

»Sprechen Sie.«

»Wie heißen Sie?«

»Mein Gefährte heißt Belhumeur.«

»Aber Sie?«

»Treuherz«

Nachdem sie sich zum Abschied nochmals verneigt hatten, entfernten sich die beiden Jäger schnell und waren bald in der Dunkelheit verschwunden.

Donna Luz folgte ihnen mit den Augen, solange sie sie sehen konnte, dann kehrte sie langsam und nachdenklich zu ihrem Zelt zurück und murmelte leise vor sich hin.

»Treuherz! … oh, ich werde mich daran erinnern.«

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