Archive

Folgt uns auch auf

Krimi/Thriller

Die Tauscher 11

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 11

Florian verließ das Taxi genau dort, wo er eingestiegen war.

Im Café herrschte noch immer dieselbe ruhige, duftgeschwängerte Atmosphäre, als hätte Florian einen anderen Planeten betreten. Fräulein Levinsohn saß am Tisch, als wäre gerade eine halbe Minute vergangen. Sie blätterte in einer Illustrierten. Sie sah seltsam zart und verletzlich aus, wie sie sich über die Hochglanzseiten beugte – mit ihrer immer noch zu großen, aber irgendwie doch hübschen Nase und diesem niedlichen kleinen Strohhut auf dem Kopf. Als er auf sie zuging, empfand Silwester Hammerstain Freude darüber, dass sie auf ihn gewartet hatte und noch mehr Freude, dass er sich jetzt zu ihr setzen konnte.

Weiterlesen

Die Tauscher 10

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 10

Hammerstain überquerte die Straße und fluchte, weil seine weißen Schuhe den metallisch glitzernden Straßenstaub aufzusaugen schienen. Er betrat einen Durchgang und erreichte das Treppenhaus. Aus der offenen Kellertür stieg feuchter muffiger Dunst. Hammerstain lief die Treppe hoch. Die Holzstufen waren durchgetreten und glatt wie Eis. Auf den Treppenabsätzen waren die Toiletten. Entweder sie waren gerade alle in heftigem Gebrauch oder die sanitären Anlagen stanken hier schon wie ein Abwasserkanal. Hinter den schäbigen Türen klangen Stimmen in vielen Sprachen, mehr als einmal wurde eine Tür geöffnet und neugierige Blicke folgten Hammerstain, der die knarrende Treppe bis zur letzten Stufe hochstieg. Hier oben vermischte sich die Sommerhitze mit dem Gestank von Taubendreck.
Weiterlesen

Die Tauscher 9

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 9

Die Telefonanrufe konnte er erst am nächsten Tag machen, inzwischen war es schon Nacht. Die Lampen tauchten den Bahnhofsvorplatz in ein grelles weißes Licht, als wäre es ein Gebiet auf einem fremden Planeten. Alle Passanten, die über den Platz eilten, wurden von einem Stern von zuckenden Schatten begleitet. Die Straßenbahnen und Busse waren hell erleuchtet, hinter den Fenstern saßen die Fahrgäste wie Schaufensterpuppen oder wie Fische im Aquarium. Florian öffnete das Fenster. Die Straße und die Gebäude dünsteten die Tageshitze aus, aber immerhin roch die Luft jetzt nicht mehr so stark nach Abgasen. Ein Flugzeug zog niedrig über die Stadt hinweg, deutlich waren die drei oder vier Reihen der Fenster erkennbar, helle Lichter, die übereinander liegend den schwarzen Schatten des Rumpfes durchbrachen. Dem Dröhnen der Motoren nach zu Weiterlesen

Die Tauscher 8

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 8

Morgens im Badezimmer erschrak er vor dem Gesicht im Spiegel. Es war ihm fremd, er kannte es nicht, aber alle Welt wusste es besser als er selbst und behauptete, es wäre das passende Gesicht für ihn, für Silwester Hammerstain, den fröhlichen Saufkumpan, den niemand respektierte, aber den man heimlich fürchtete wie einen bissigen Köter.

»Sie sollten wieder mit dem Rauchen anfangen«, sagte Fräulein Levinsohn beim Frühstück, »Ich glaube, ich werde es auch bald mal wieder versuchen, soll ja sogar gesund sein.«

»Warum soll ich wieder rauchen? Und gesund ist es sicherlich nicht.«
Weiterlesen

Die Tauscher 7

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 7

Ein schrilles Klingelsignal erklang, die letzten Zuschauer hetzten von den Wettbüros zu ihren Plätzen. Im Innenraum waren die Plätze fast alle belegt, einige Paare kamen verspätet und wurden respektvoll begrüßt.

Auf den Leinwänden erschien das Gesicht eines alten, weißbärtigen Mannes. Ein Rauschen ging durch die Halle, als sich alle Zuschauer erhoben. Florian bemerkte es zu spät, sprang auf und bemerkte, dass sich seine Nachbarin links mit ironischer Lässigkeit erhob, während die Dame zu seiner Rechten die horizontale Verspätung mit einem bösen Blick quittierte.

Durch die Lautsprecher drang die Stimme des alten Mannes. Jetzt erkannte Florian auch das Gesicht. In einer Weiterlesen

Die Tauscher 6

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 6

Inzwischen begann es zu dämmern. In den Häusern waren die ersten Fenster erleuchtet. Max steuerte eine Eckkneipe an. Er schlenderte durch eine enge Toreinfahrt und kam in einen Hinterhof. Es war ein schmaler dunkler Durchgang, der perfekte Ort für einen Überfall, wie Florian sich sagte. Aber was dann kam, war völlig unerwartet. Er betrat einen weiten, luftigen Hof. Hier standen Tische unter einigen alten Bäumen, zwischen den Stämmen waren Seile mit Lampions gespannt, eine junge Akkordeonspielerin sorgte für Unterhaltung. Sie hatte ein wenig Mühe, die Gespräche der zahlreichen Gäste zu übertönen. Max blieb neben einem Tisch hinter einem dicken Ulmenstamm stehen. Zwei Männer saßen an dem Tisch. Max beugte sich zu ihnen herunter, sprach mit ihnen und winkte dann Florian heran. Er deutete auf den einen freien Stuhl und verschwand zwischen den anderen Tischen.
Weiterlesen