Paraforce

Ad­dis Abeba

»Äthiopien! Ich kann es nicht glau­ben!«, schwärmt Xi­mena, während sie sich im Sitz des al­ten, aber be­que­men Mer­cedes rekelt. Im Wes­ten wäre der Wagen höchstens noch bei Old­ti­mer-Tref­fen aus der Ga­rage ger­ollt. Hier, in Af­rika, wird er lie­bevoll gep­flegt und di­ent nach wie vor als Taxi.

Ob der brei­te, durch­ge­hen­de Le­der­sitz da­bei dem Ori­gi­nal ent­spricht, ver­mag ich nicht zu sa­gen. Ge­müt­lich ist er auf je­den Fall.

Weiterlesen

Prolog

Die Sonne ging unter und tauchte das Tal in blutrote Farbe.

Für geraume Zeit spiegelten sich ihre Strahlen noch im Wasser des Lech wieder, jenem Fluss, dessen breites Band sich schlangengleich bis zum Horizont hin erstreckte, bis auch ihr Licht endgültig vom Dunkel der umliegenden Berghänge und Gipfel aufgesogen wurde.

Wind kam auf und die Nacht legte sich wie ein kaltes, schwarzes Tuch über das Tiroler Land. Die einzigen Geräusche, die noch die Stille durchbrachen, waren das Rauschen der Fluten und das Rascheln der Büsche und Bäume im Wind.

Weiterlesen

Sie wuss­te, lan­ge wür­de sie die­ser Tor­tur nicht wi­derste­hen.

Schweiß perl­te auf ih­rer Stirn.

Ver­dammt! Ver­dammt!

In­ner­lich fluch­te sie, weil sie so arg­los in die Fal­le ge­tappt war. Wie eine An­fän­ge­rin.

Da­bei zähl­te Aman­da Har­ris zu den Top-Agen­tin­nen die­ser Welt. Sie ar­bei­te­te auf ei­ge­ne Rech­nung. Aber we­der Se­cret Ser­vice, noch Scot­land Yard konn­ten oft­mals nicht auf ihre Hil­fe ver­zich­ten.
Weiterlesen

»Ich glaube nicht, dass wir es hier mit Vampiren zu tun haben«, flüsterte Nils Sommer seiner Tante so leise zu, dass es die beiden Polizisten, mit denen sie auf der Weide standen, nicht hören konnten.

»Zumindest nicht mit einer Art, die wir kennen«, bestätigte Magdalena.

»Wir haben ja wirklich schon einiges gesehen, aber das verstehe ich nicht. Wer oder was raubt einer Kuh das Blut bis auf den letzten Tropfen?«

»Um das herauszufinden, sind wir hier.«
Weiterlesen

Eva Kaulmann erwachte von einer Sekunde zur anderen aus ihrem tiefen Schlaf. Wie weggewischt war der belanglose Traum – Gärten, in der Sonne blitzende Seen, Kindergelächter –, der durch ihren Kopf gezogen war. Sie riss die Augen auf und blickte verstört in die Dunkelheit, welche sie umgab. Einen beängstigenden Augenblick lang fühlte sie sich vollkommen desorientiert und wusste nicht, wo sie war. Vielleicht doch noch im Traum gefangen, der ihr nun seine dunkle Seite präsentierte, wo es kein Gelächter mehr gab? Sie blickte umher, doch sie sah lediglich vage konturenlose Schemen. Es waren die ihr ansonsten verhassten Schnarchgeräusche ihres Mannes Georg, die Eva halfen, Ordnung in ihre verwirrten Sinne zu bekommen. Ganz klar, jetzt wusste sie es wieder: Sie befand sich in Weiterlesen

Das Antlitz des Grauens
Ein Laura-Stewart-Roman

Prolog – Halloween
New York City
I

Chan­tal­les Ap­par­te­ment auf der Up­per West Side ist zum Bers­ten ge­füllt.

Es ist nicht jene Woh­nung, in der ich nach je­nem denk­wür­di­gen Abend er­wach­te, halb Vam­pir, halb Mensch.

Die Blut­sau­ge­rin be­sitzt zwei Woh­nun­gen – ein­mal jene klei­ne Blei­be nahe des Clubs in Broo­klyn, dann das Ap­par­te­ment in ei­nem Alt­bau in Man­hat­tan. Ei­gen­tum, nicht ge­mie­tet. Weiterlesen

Aller Anfang ist schwer …
Ein Laura-Stewart-Roman

Prolog – Der nackte Tod

I

Kolumbien
Die Toten hängen nackt an den Bäumen wie Girlanden an Weihnachten. Drei Männer und zwei Frauen, keiner von ihnen älter als dreißig Jahre.
Das Sterben der Gehenkten dauerte mehrere Minuten. Man erwies ihnen nicht die Gnade eines langen Falls. Das wäre wohl zu schnell gegangen.
Stattdessen zog man sie einfach ein paar Zentimeter in die Höhe; gerader so weit, bis ihre Weiterlesen