Archive

Folgt uns auch auf

Storys & Lyrik

Der Geldbrief

Paul Rosenhayn
Elf Abenteuer des Joe Jenkins
Der Geldbrief

»Ich habe Sie bitten lassen, Mr. Joe Jenkins, weil ich in einer mir unerklärlichen Angelegenheit Ihren Rat haben möchte.«

Mr. Jenkins, der Detektiv, sah sich aufmerksam in dem eleganten Privatkontor des Bankiers um. Er konstatierte mit Befriedigung, dass das Zimmer mit vornehmer Einfachheit ausgestattet war und in jeder Einzelheit den reichen und geschmackvollen Besitzer verriet.

»Ich hörte, dass Sie auf Ihrer Reise durch Europa in Paris Station gemacht haben. Und da war, nach dem Weiterlesen

Der Freibeuter – Norcroß in Frankreich und Russland

Der-Freibeuter-Dritter-TeilDer Freibeuter
Dritter Teil
Kapitel 14

»Ich kam damals auf einem deutschen Schiff mit meinem Jungen nach Frankreich. Wir landeten im Hafen von Dünkirchen, und ich versäumte nicht, meinen Landsmann und alten Beschützer und Freund, den Herzog von Ormund, welcher seit einigen Jahren hier wohnte und viel Vertrieb mit dem in Bar-sur-Aube lebenden Prätendenten unterhielt, aufzusuchen und ihm meine Aufwartung zu machen. O Gott, wie empfing mich Henrica mit der alten Herzlichkeit! In meinem Herzen aber waren die Gluten erloschen, die sie einst angefacht hatte, das Feuer, das mich verzehrt, hat einer anderen Sonne ihr Dasein zu verdanken.

Weiterlesen

Im Spiegel

Im Spiegel

Ich hatte dies kommen sehen und dennoch sollte ich beim Knall der Steinschlosspistole und dem folgenden Brennen der Wunde erschrecken. Mehr zu empfinden gelang mir allerdings nicht mehr, bevor ich zu Boden gleiten sollte, von wo mich mein geliebter Vater jetzt aufhob. Das Leid in seinem von Tränen verschleierten Blick jedoch ertrug ich nicht, weshalb ich meine Augen von ihm ab- und dem Spiegel zuwand, vor dem ich starb.

Der Spiegel, der mich nun schon seit den frühesten Tagen meiner Kindheit begleitete, und der wahrlich Ewigkeiten im Besitz meiner Familie sein musste, wenn es stimmte, was mir meine Mutter von sich und meiner Großmutter einstmals berichtete.

Ich hatte beide abgöttisch geliebt, wenngleich ein Makel auf ihren Leben lastete, den ich einfach nicht annehmen Weiterlesen

Proszeniumsloge Nr. I

Paul Rosenhayn
Elf Abenteuer des Joe Jenkins
Proszeniumsloge Nr. I

3. November. Liebe Klara!
Ich habe die Hoffnung aufgegeben, ein Engagement an einem Theater zu finden. Alles überfüllt …

Wer hätte wohl jetzt, während des Krieges, für einen stellungslosen Schauspieler Verwendung! Die Agenten lachen einem ins Gesicht, wenn man von Engagement spricht. Wer so glücklich ist, einen Unterschlupf zu haben, spielt für die geringste Gage. Keine Aussicht. Alles verrammelt.

Ich weiß nicht mehr, was ich anfangen soll. Ich habʼ mir einen Termin gesetzt. Wenn der vorüber ist und sich Weiterlesen

Der Freibeuter – Alte Bekannte

Der-Freibeuter-Dritter-TeilDer Freibeuter
Dritter Teil
Kapitel 13

An der westlichen Küste der Insel Seeland liegt unweit blühender Dörfer ein hohes, stattliches Gebäude von altertümlichem Ansehen. Es hat das Äußere eines Klosters aus den Zeiten der Kreuzzüge. Seine stufigen Giebeldächer, seine zackigen Spitzsäulen, seine gotischen Bögen und Verzierungen an den gewölbten Pforten und tiefen Fenstern, belehren den Wanderer bei näherer Besichtigung bald, dass ihn seine, vom ersten Anblick dieses Hauses hervorgerufene Vermutung nicht getäuscht hat. Er gewahrt noch das alte geschweifte Pförtlein in der hohen Mauer mit dem Glockenzug, er betrachtet mit Ehrfurcht die Basreliefs der Heiligenbilder zu beiden Seiten der Pforte, an welchen die Stürme der Zeit, freilich nicht ohne Spuren ihres Daseins hinterlassen zu haben, Weiterlesen

Die Tauscher 19

die-tauscherDr. Uwe Krause
Die Tauscher Teil 19

Auf dem Heimweg hatte Florian das unangenehme Gefühl, als würde er von allen Passanten mit scharfen Blicken fixiert. Er riskierte es, ein Taxi zu nehmen, weil die Fahrer mehr auf Kleidung und Gepäck als auf das Gesicht achteten. Er saß im Fond, die Hutkrempe tief heruntergezogen und hörte auf die Radiodurchsagen, die der Fahrer angestellt hatte. An mehreren Hauptstraßen waren Straßensperren errichtet worden, vor dem Betreten einiger Stadtviertel wurde gewarnt. Auf den ersten Blick schien die Stadt unverändert – rasender Verkehr, sich drängelnde Menschenmassen, Reklame, Hupkonzerte, glänzende Geschäfte. Aber auf den zweiten Blick wirkte alles noch hektischer als sonst, in der Luft lag eine Spannung, als hätte man die Stadt unter Strom gesetzt. Am Himmel quollen Wolkengebirge mit glänzenden weißen Flanken auf. Die schwüle Luft mit ihrem Benzingeruch klebte Weiterlesen