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Die Aufgabe

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Im Original Hans Dominik

Atlantis Teil 25

Die Abraham Lincoln, achtzigtausend Tonnen, Turbinenschiff auf der Route Valparaiso – New York, hatte die Galapagosinseln hinter sich und setzte Kurs auf den Kanal von Panama.

»Kap Azuero in Sicht!« Die Lautsprecher hatten es gerufen. Wie ein Lauffeuer ging es durch alle Räume des mächtigen Schiffes! Kap Azuero! Das Wort weckte die Tausende von Passagieren, die der Bauch des Riesenschiffes barg.

Azuero! Bis vor Kurzem noch Halbinsel am Isthmus, jetzt das Südkap von Nordamerika. Kontinent Amerika; der frühere Begriff der großen von Pol zu Pol zusammenhängenden Landmasse war ja hinfällig geworden. Gewiss, schon seit Jahrzehnten hatte eine kleine Wasserstraße zwischen den beiden Ozeanen bestanden. Ein kleiner, schmaler Wasserpfad, auf dem die Schiffe vermittels mächtiger Schleusen über das Land hinweggehoben wurden. Ein Wasserpfad, der schließlich doch nur einen mikroskopisch feinen Riss auf der Erdkruste bedeutete.
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Atlantis Teil 24

Ein kleiner Raum. Die notwendigsten Möbelstücke darin. Kaum erhellt von den wenigen Strahlen, die das Sonnenlicht durch das kleine Fenster warf. Kein Gitter vor den Fenstern zwar … Das Zimmer des Untersuchungsgefangenen James Smith.

Die lange, sehnige Gestalt auf dem Bett ausgestreckt, die mächtigen Schultern die Breite des Bettes bedeckend. Die Rechte schlaff zum Boden hängend. Ein Bündel Zeitungen am Boden verstreut, als wären sie eben der Hand entglitten.

Der Isthmus … Der Golfstrom … Europa … Von überall her grinsten die Aufschriften zu ihm empor.

Seine Linke presste sich auf die Augen, drückte sie fest zu, als wolle diese sie von diesen Worten, diesen folternden, marternden Worten befreien. Waren nicht allein schon die Gedanken genug? Die Gedanken, die Weiterlesen

Atlantis Teil 23

Der Stettiner Hafen zeigte ein ungewohntes Bild. Seit Tagen schon. Schiffe aller Größen, von Norden kommend, legten an den Kais an, Menschenmassen an Land speiend. Grubenarbeiter aus Spitzbergen, die zu den russischen Kohlenzechen im Donezbecken und im Uralgebirge dirigiert wurden.

In der Mehrzahl verheiratete Leute, die mit Weib und Kind neue Heimat und neue Arbeitsstätten zu suchen gezwungen waren. Die Unterkunftsmöglichkeiten, für einen solchen Andrang nicht eingerichtet, waren überfüllt. Viele lebten in Schuppen, viele im Freien. Auf den Sachen sitzend, die ihre geringen Habseligkeiten bargen.

Eine neue Völkerwanderung! Doch die Gesichter der Auswanderer so ganz anders! Kein Zeichen froher Hoffnung. Missmutig, düster standen sie in dem nässenden Nebel, der bleigrau Hafen und Stadt deckte. Selbst die Kinder waren gedrückt, unbewusst fühlten sie den Druck des Unheils, das alles vor sich hertrieb.

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Atlantis Teil 22

Sie stand, wenn auch ungeschrieben, über dem Bericht des afrikanischen Botschafters an die kaiserliche Regierung in Timbuktu. Dieser Bericht war soeben in der Sitzung des Kabinetts, die im Beisein des Kaisers und des Generalstabchefs stattfand, verlesen worden. Aller Augen hingen an Augustus Salvator.

Tief in den Stuhl zurückgelehnt, die Augen halb geschlossen, hatte er den Bericht vernommen. Kein Muskel in seinem Gesicht verriet, was dabei in seinem Inneren vorging. Minuten verrannen. Tiefste Stille im Raum.

Der Kaiser … Was dachte, was sann er? Die drückende Stille wirkte lastender, je länger sie dauerte. Endlich! … Der Kaiser richtete sich auf. Sein Blick ging zu dem Generalstabschef.

»Wie weit sind die militärischen Bewegungen an der Südgrenze gekommen?«

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Atlantis Teil 21

Knapp vierzehn Tage waren seitdem vergangen. Der Präsident lichtete in Wibehafen die Anker, zweitausend Seelen an Bord.

Erst die Menschen, dann die Maschinen!, lautete die Order. Nach Hamburg stand der Kurs. Nach Hamburg vorerst … der Heimat der meisten.

Und dann, die Frage lag auf den Lippen dieser Tausende, auf den Lippen derer, die auf anderen Schiffen folgten. Bewegte die Herzen der Millionen, die früher oder später das gleiche Schicksal teilen mussten.

Flucht aus der Heimat! Wohin? Schon flüchteten sie aus Hamburg, von der Küste nach Süden … der Sonne zu. Der Schiffsraum war knapp … ja, er war knapp geworden.

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Atlantis Teil 20

Die beiden Freunde standen auf der steilen Westwand von Black Island. Zweihundert Meter fiel die Klippe vor ihren Füßen schroff ab. Dort unten in der Tiefe, wo früher die See brandete, streckte sich weithin das neue Land. Uhlenkort nahm das Fernglas von den Augen. Seine Hand deutete nach Norden.

»Die Luft ist klar geworden. Mit bloßen Augen sehe ich da die Grenze zwischen altem und neuem Land, den Kranz von Tang und Muscheln. Lass uns noch eine Weile stehen, Johannes, dass meine Augen sich satt trinken an dem Bild, das mir tieferen Frieden gibt als die schönste Landschaft des Südens.

Und jetzt kannst du mir erzählen, was da unten geschah am Isthmus. Was es war, das die Erde erbeben, zerreißen ließ. Du sähest es voraus. Du weißt, wie es geschah … wie es geschehen konnte.«

Der andere wandte sich um … dem Süden zu.
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