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Im Original Ludwig Storch

Der Freibeuter – Schneller Glückswechsel

Der-Freibeuter-Dritter-TeilDer Freibeuter
Dritter Teil
Kapitel 10

Das Jahr neigte sich zum Ende. Vergebens hatte Kapitän Norcroß schon seit Wochen Verhaltungsbefehle vom Baron Görz erwartet. Die mit dem Winter eingetretenen Stürme hatten die Verbindung der Länder teilweise unterbrochen, und diesem Umstand schrieb es Norcroß allein zu, dass er bis jetzt noch keine Antwort erhalten hatte. Er vertrieb sich die Zeit mit kleinen Reisen in das Land, auf welchen ihn Juel begleitete, und machte mit Kauf, Verkauf und Tausch von Schiffen manches vorteilhafte Geschäft. Doch konnte er die trübe Stimmung seiner Seele mit keiner Zerstreuung bewältigen, und mit dieser trat er auch das neue Jahr an.

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Der Freibeuter – Selige Vereinigung

Der-Freibeuter-Dritter-TeilDer Freibeuter
Dritter Teil
Kapitel 9

Der scheidende Herbst fegte die Länder und peitschte die Meere mit scharfem Besen, als Norcroß, von Schottland herabsegelnd, zum Kanal einbog, welchen die Franzosen den Ärmel nennen, um in den Hafen von Palais einzulaufen. Teils auf seiner Fahrt nach Schottland, teils von dort nach Frankreich zu, hatte er verschiedene gute Prisen gemacht und nach Schweden geschickt, zum Beweis, dass das Glück mit dem Dänenfeind ebenso gut über Meere wandle wie mit dem Graf Mörner, solange nur der kühne Freibeuter ihr Führer sei. Nun, da der Oktober bereits begonnen hatte, wollte er Görz’ Befehle in Frankreich ausrichten und hoffte, dies mit demselben guten Erfolg auszuführen, wie es ihm in Schottland geglückt war. Durch diese freundlichen Aussichten hatte er seine alte Weiterlesen

Der Freibeuter – Kanonen- und Schiffstaufe

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Dritter Teil
Kapitel 8

Görzens Rat war nicht vergeblich gewesen. Norcroß spielte von diesem Tage an mit dem Kammerherrn von Wollstrupp seine Komödie. Zuerst hielt er in ihrem Streit ihm weniger als sonst die Widerpart, stellte sich dann mehr und mehr überzeugt und äußerte endlich, wenn sich ihm nur eine Gelegenheit böte, vorteilhafter platziert zu werden, so sei er gar nicht abgeneigt, die Dienste des Königs von Schweden zu verlassen, der ihn trotz aller Freundschaft schlecht bedacht habe. »Was hilft mir die freundliche Herablassung«, sagte er, »ich kann sie beim Wechsler nicht zu Kleingeld machen und mir keinen Krug Wein davon kaufen. Obwohl man mir immer und immer vorsagt, der König sei mein Freund, so bin ich doch Kaperkapitän wie vor drei Jahren.«
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Der Freibeuter – Eine Schlinge

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Dritter Teil
Kapitel 7

Norcroß hatte nun wieder einen Gegenstand für seine Tätigkeit, und der rasche Eifer, womit er sich von Neuem zu regen begann, war geeignet, ihn weder den versuchenden Geistern zu überliefern, noch jener trostlosen Schlaffheit, die ihn im Umgang seiner Frau allmählich bedrohte. Schnell traf er Anstalten zum Bau eines neuen Schiffes und setzte Zimmerleute, Weber, Schmiede und Stückgießer in Bewegung, indem er von einem zum anderen lief, alles selbst anordnete, verbesserte, nachhalf. Oft sah man den König oder den Grafen Mörner, den General Armfeld oder den Baron Görz, wenn dieser von Aland zugegen war, oder andere der vornehmsten Herren vom Hofe und vom Militär mit ihm auf den Werften und in den Stückgießereien gehen und verkehren.
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Der Freibeuter – Zwei Seelen in einer Brust

Der-Freibeuter-Dritter-TeilDer Freibeuter
Dritter Teil
Kapitel 6

Einige Tage nach Norcroß’ Heimkehr beschenkte ihn seine glückliche Gattin mit einem Sohn. Das Glück, dem der Seefahrer vergeblich nachgejagt hatte, schien freiwillig bei ihm eingekehrt, aber nicht in seinem schwankenden Schiff, womit er es durch die Meere verfolgt hatte, und das nun in die Gewässer hinabgesunken war, sondern in seinem festen Haus, dass er geflohen und verachtet, und wo er nimmermehr den gewünschten Gast zu empfangen erwarten hatte. Und da saß es nun plötzlich als eine freundliche Fee, die die selig-zufriedene Kindbetterin wartete und pflegte, die den Säugling wiegte und den verwandelten Freibeuter als Magd bediente. Dinas Augen glänzten von Wonne und der Tau des Gefühls perlte von ihren Wimpern und zerschmolz vor ihres Weiterlesen

Der Freibeuter – Norcroß in Stockholm

Der-Freibeuter-Dritter-TeilDer Freibeuter
Dritter Teil
Kapitel 5

Flaxmann lag auf einer vom Frühling geschmückten, das Meer beherrschenden Anhöhe im Schatten einer Rüster.

»Warum kann ich nicht in diesem Paradies bleiben? Hier leben und sterben? Warum muss ich zurück in den Brodem, der mich wie Pesthauch anqualmt und mich krank macht? Ach, es bleibt nicht immer Frühling! Es ist auch ein Winter. Es gibt auch Eis für das Herz. Ich muss auch die Stunden der Kälte ertragen. Die schwarzbeflügelten Geister der Erdenwünsche kommen auch in meine Seele und rauben ihr Farbe und Glanz. Aber fort mit allen törichten Plänen! Ich will nichts von der treulosen Menschenbrut. Auch die Liebe hat mich betrogen. Scheusal, dir Weiterlesen